Mittwoch, 26. Februar 2014

Lichtatmer

freaking n-o-w! | via Tumblr
Es weckt alte Erinnerungen, die ich mit den schönsten Momenten der letzten vier Jahre verbinden könnte. Könnte, weil ich es nicht mehr möchte. Wenn ich das Vulkankoloss des Hasses aus meinen Gliedern reiße und in die schematische Eiswüste Herz werfe, die Hände tief in Erde... vielleicht würde sich dieses undefinerbare etwas, dass ich fühlen sollte, dann sich wohlmöglich instruieren lassen.
Bruchstücke eines Lebens vor dieser lückenlosen Zeit detonieren in mir, als wir zusammen die grüne Naturarena begehen. Edler Sonnenglanz, der angehaucht über die Dächer blinzelt, unkenntlich das trauliche, zugleich Friedevolle Gepräge einstreicht. Menschen stehen zusammengepfercht in Gruppen. Lachen. Mir fehlen die Gedanken hierzu. Die Menschen sind weder schwarz noch weiß. Menschen sind grau. Ich kenne nur keinen. Ein wildes groteskes Durcheinander, egal wohin ich schaue schwirrt um mich umher. Bruchstücke von Buchstaben und Namen randalieren in meinem Schädel, doch ich kann zu keinem vernünftigen und logischen Ergebnis kommen. Die Namenlosen bleiben ungenannt. Abstumpfung. Alle die ich kennen muss, stehen hinter mir. Sollte diese Tatsache mir nun Sicherheit vermitteln, ist dieser Versuch nun außerordentlich misslungen. Doch ich bin nicht hier um meine Kontakte zu pflegen. Ich bin ihm zu ehren hier, nehme ihm zum gedenken hier teil. Und dennoch empfinde ich es als dezent unnötig. Es vergeht kein Tag, wo sein toter und zugleich lebendiger Name nicht in meinen Kopf auftaucht. Ich muss nicht hier sein, um an ihn zu denken. Aber ich bin es trotzdem. Es ist sein Geburtstag und nur diese Tatsache zählt. Ich schließe meine Augen, um vom Bild des Grauens erneut zu flüchten. Ich hasse Menschen. Sie taugen nichts. Definitionslose Urgestalten von grellfarbenden, ausgemalt gedrängten Punkten, behelligen und zerstreuen meine Netzhaut, die sich von diesem Lichtspiel allerdings lieber distanzieren würde.

Als ich sie wieder aufschlug, suchten meine Augen verzweifelt nach ein bisschen Licht. Vernebelt kalt und sperrig bleibt das ferne Licht. Und drüber hinweg fegt der nachtschwarze Wind. Es scheint, als würde ich erst jetzt 250 Tage später erwachen von diesem Schock und die Wahrheit begreifen. Und diese Wahrheit trifft mich direkt und hart, insbesondere als sein bester Freund neben mir voller Wut und Abscheu gegen das Schicksal, anfängt mir etwas zu ins Ohr zu flüstern: 
"So möchte ich meinen Geburtstag nicht verbringen. Er hätte etwas besseres verdient als das hier. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass er lebt und uns alle gewaltig verarscht hat." Bilder im Kopf drehen sich um eingeschlafene Rituale, verlorene Gesichter und verbrannte Emotionen, die sich nicht abstellen lassen. Seine Worte kommen erst Minuten später in meinem Denkvermögen an. Etwas, was sich nie ablegen lässt, diese verpeiltheit von Gedankenvelorenheit. Verspätet nicke ich stimmlos, betroffen ihn nicht den nötigen Trost und halt geben zu können. Aber das kann ich mir ja noch nicht einmal selbst geben. Ich hasse es, wenn er traurig ist. Ich bin verdammt feinfühlig in diesem Punkt und sobald die Stimmung von jemanden umschlägt, der mir nahe steht, bemerke ich soetwas. Es färbt sich auf mich ab, was nicht so tragisch ist. Unterschiede macht es nicht. Ich knuffe ihn nur liebevoll in die Seite. Hey, ich bin da. "Es ist sein Geburtstag. Er möchte sicher nicht das wir Fratzen ziehen, als ginge die Welt unter." Wobei das auch gerne der Fall sein dürfte. Liebend gerne. Denn der wesenlosen Verderber, voller Scheusal in mir, kostümiert mich mit Schauervoller Schattenhaftigkeit. Ein Alptraumross gegenwärtig und so ruchlos übermächtig. Atme nur, lebe nur, existiere nur, weil die Sonne an einzeln seltenen Tagen alles erlichtet. Ein goldener Schein den meine Seele braucht. Bin ein Lichtatmer, denn ich möchte die kristallisierte Winterkälte in mir erwärmt wissen. Existenz bedeutet andauern, vorhandensein. Es gibt abertausende Theorien unserer Welt eine Existenz zu zusprechen. Theorien geben unserer Welt die Existenz, nach der wir suchen. Doch diese Theorien erschaffen eine weitere Welt, eine weitere Theorie, deren Existenz ebenfalls nur eine Illusion ist. All das ist irrelevant, unfehlbar. Für mich existiere ich in einer Welt, irgendwo vergessen. Bin und bleibe nur ein Exilant.

Ich starre auf das verwaschene grün der Gräser unter meinen Füßen. Leidenschaftlich Barfuß durch das feucht nasse Gras rennen. Die Form meines Schatten, veränderbar und doch immer das gleiche zeigend. Ein ungelöster Luftballon durchsticht den dünnen Schatten, während er mir bedächtig in die Hand gedrückt wird. Eine ewigkeit später, lasse ich ihn los. Es wirkt symbolisch. Von nichts gehalten und doch niemals frei gleitet er hinfort wolkenwärts. Die unendliche Weite des Himmels, welche sich nur erahnen lässt. Sie lässt mich in diesem Moment denken, lässt mich fühlen. Er trinkt sich an der Farbe darinnen satt, und durchbricht dabei eine Spiegelwelt. Vom himmelblau durchtrunken, im reinsten Licht. Fliegt ohne Regeln hinfort in eine andere Welt. Gelöst, frei scheint ihr Weg. Vielleicht ist es arglos zu hoffen, mit dem loslassen dieses Luftballons, könne ich all die getrübten Sprenkel, die sich in mich mit solcher Wucht gefressen haben abschließen, doch bin ich es Leid zum ewigen Pessimisten verdammt zu sein. Für mich geht es hier darum, sich mit angestaubten Erinnerungen zu konfrontieren, ein letztes Mal, um sie danach endgültig und endlich auf Nimmerwiedersehen in die dunkelste Ecke meiner Gehirnwindungen zu stopfen. Ich sah für Minuten nur ein grandioses Spektrum der Farben die im Kernblumenblau verschwinden, innerhalb einer Zeit die nichts glich. Die Farbkleckse sinken in den Zeitlosen Wolken mit zerrissenen Konturen. Ich weiß genau, ein Wolkenmaler namens Wind wird das gepinselte Gemälde allzu schnell zerstören. Einen Abschluss werde ich jedoch noch lange nicht finden.


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