Samstag, 8. März 2014

Danse macabre

“I can see the coffin shining through my tinted window
Must've missed the sign that said it was a fire sale

Everyone will come, everyone will come to my funeral
To make sure that I stay dead
You can't take this from me
forbidden in Heaven and useless in Hell”

Ich stand da zwischen weißen und schwarzen sündhaften Hallen. Der Mondwind baumflüstert den Schmerzschrei auf dem nachtschweigen einer Blutlichtung. Verbrenne die Seiten, die sich schwärzen in dem Buch, streue die ausglühende verrauchte Asche in die Weiten. Unsere Maske ist unsere Persönlichkeit. Unser Kern gleicht Luft. Und Luft ist immer gleich. Völlig egal, welche Form unsere Maske hat. Diese Luft ist kalt und schneidend; purer Egoismus. Niemand will es wahrhaben, dass dort tief in unserem Inneren nichts ist. Die pure Abwesenheit von Liebe, übermächtige Begabung, unglaubliche Weisheit. Irgendwas vermuten wir dort in der unserer Stillen Wahrnehumung der vergegenwärtigung. Natürlich versuchen wir nie nachzusehen, denn was wären wir ohne das letzte bisschen Unwissen über uns selbst. Die Wände kommen näher, zerren an mir, an Händen, Füßen. Möchte meinen Schädel gegen hartes Metall donnern, so lange bis mich die schwärze auffängt mit wilkommenen warm, schützenden Armen, der donner in mir wild widerhallt bis er leise verstummt, ins nirgendwo über geht. Es ist ganz klar und doch so unklar, eine milchig angelaufene Scheibe, die mein graues Leben verzerrt, mich mit verkrümmt. Ich werde sterben, nachdem ich gelogen habe. Ich werde sterben, während ich gelitten habe. Ich werde sterben, während mein Schrei in der Stille verhallt, im nichts verdirbt zu hass, Wut über diesen Fluch des einstigen Segens der die Menschheit berauschte als eine unsichtbare Droge. Ich werde sterben, allein weil du existierst. Sterben, wie einsam Rote Rosen am letzten Grabstein verblühen. Ich werde einfach sterben. In dieser Zeit.
 Und mit diesen letzten Gedanken an das Menschsein falle ich, ohne Boden in Sicht und ohne einen Himmel über mir. Ich werde immer schneller und schneller und bin unfähig, meinen Körper zu bewegen. 
Meine Gedankenüberflutung reißt mich mit. Das Gefühl, mit dem Flugzeug abzustürzen. Und jedem Moment auf dem Grund aufzuprallen. Hell lodern die Flammen deren Folgen auf. Fressen sich in den schwarzen Boden, der Erde hinein, vernichten alles was sich ihnen in den Weg stellt. Das Gefühl nicht denken zu können, wirrheit in meinen Schädel, es hohlt mich quälend ein.  Fernab von der Seligkeit im schall und Farbtonlosigkeit des ungestörtsein. Ich bin erstarrt. Zur Untätigkeit verdammt. Nichts bleibt als eine lähmende und erdrückende Angst, wenn das Adrenalin aus meinem Körper gewichen ist, und wenn die Angst weicht, bleibt mir gar nichts mehr.  Ich werde verrückt, alles dreht sich quer. Auf Kopf und verzerrt. 
 Ich bin alleine. Mit meinem zerklopften Gedankengehalt, eine arbiträre Abfolge unverwertbarer Phrasen.  Die Wände fliegen an mir vorbei, unscharf. Und ich kann den Boden nicht sehen, weil mein Blick nach oben gerichtet ist. Und unter mir sehe ich nur mich selbst gefangen im klebrigen Harz, dessen dünne Fäden beim versuch zu verschwinden mich würgend um mich schlingen. Ich kann den Himmel nicht erkennen, weil er nicht existiert. Nicht für mich. Sehe darin nur die ersterbende Wahrheit im Schalltot festgesetzt. Ich spüre Steinigen flammenden Boden unter mir und blicke hinauf. Ich sehe kein Licht mehr. Bin von der Dunkelheit verschluckt worden.
WIESO? Wieso musste ich fallen? Mein Sehweise hat sich erstickt, mein ausdruck veruntreut, abgerissen von den Wänden der Nacht. Mein Schritt nach vorne ist ein leerschlag im dunstkreis. Schatten, Staub und hämisches Gegrinse aus Schädelfratzen drängen sich meinem beschränkten Augenlicht aus Feuerglut entgegen. Ich stehe nun allwissend auf einem dunklen ausdruckslosen Flecken verbrannter Erde und dazwischen haben Blütenblätter sich ein gepräge verliehen, denen ein letzter traurig-süßer Duft entflieht, verlöscht in der Seelengüte der schwarzen Weltfremdheit; vermischt mit den verwelkten Blumenkränzen auf Knochenhäupten. Durchtränke die Welt mit meinem bitteren Blut. Auf Wellen wird es all dies schnell tödlich erobern und alles wird Blutrot. Jene bunte, dumme Welt versinkt im dunklem Schleier, der sich spielend leicht, wie düsterer Morgennebel um all die Leichen legt. Die garstig-fröhlichen Schreckgestalten ertrinken kreischend in meinem Schmerz und Hass. Tot.
In dem schwarzen Pech aus meinem gemisch von Asche und Blut schwimmen Leichen mit verbrannter Haut.
Und als ich in den Himmel schaue, steigt der Teufel schon empor. Und der letzte erkannbare Grund, weshalb ich lächelte, während ich in der Hölle verbrannte auf ewig, war das wissen, dass nun jeder weiß wer ich bin, jetzt da ich totgeweiht bin.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen