Sonntag, 24. August 2014

Asche und Rauch

by Kersti KDie Zigarette zerfiel langsam im Aschenbecher. Stück für Stück, bis sie nur noch Asche war. Das Feuerzeug klackte metallisch; neues buntes Feuer, neue Kippe, neuer eintöniger Rauch.Ich tue es nicht für die Sucht, nicht für das Nikotin oder den „besonderen Kick“. Ich war noch nie ein Nikotinfreund. Ich möchte betäuben, neben der niederträchtigen Tatsache, dass ich ein einziges Nervenbündel seit Tagen bin. Sollte diese Phase wieder in den nächsten Stunden verschwinden - und das wird sie -, so verschwindet auch wieder vollständig der Konsum von diesen Sargnägel, denn ich lasse mich nicht gerne von etwas kontrollieren. Deshalb kann ich - zumindest in diesem Punkt - ungelogene, sowie ungeheure Selbstdisziplin entwickeln, die mir selbst zwielichtig und absolut verschrien vorkommt. Wahrscheinlich war diese bisher für mich so unerforscht, wie auch geheimnisumwittert und lichtscheu gewesen. Ich frage mich, warum ich damals nicht so viel beherschung und Selbstachtung im Blicklicht der Selbstverstümmelung aufbringen konnte. Immerhin ist dies für mich auch eine absolute Sucht (gewesen?). Zumindest glich die Klinge der funkelnden  Zigarrette, die ich nun in meiner wolkenweisen Hand halte, auch wenn dies sehr, sehr selten passierte und ich nur wenig drang dazu hatte. Was mache ich mir vor? Selbstzerstörung bleibt Selbstzerstörung, egal wie und wann diese gehandhabt wird.  Er zumindest hätte nicht gewollt, dass ich rauche. Aber er ist nicht da.
Ich blies den fahlen Rauch aus, zerdrückte auch diese Zigarette im Aschenbecher zu meiner linken. Es schmeckt nach Melancholie und Depression. „Was wäre, wenn?“ – Ein schönes Gedankenspiel, doch es ist nicht mehr vordergründig, schlicht am ende, denn ich habe den kalten eisernen Griff des Abzug längst gedrückt.


In wenigen Wochen beginnt die Schule wieder (ich schätze diesen Satz, bekommt man nicht nur auf diesem Blog zu lesen, nicht wahr?) und ich habe bisher wenig von dem getan, was 'uns' bei der einschulung geraten wurde. Weder hab ich bisher täglich im Wirtschaftsteil der Zeitung geblättert oder was noch viel 'tragischer' ist, meine nicht vorhandenen Mathekenntnisse aufzuarbeiten. Sicher beginnt für mich die erste Mathestunde dieses Jahr mit einer bloßstellung und der glühenden Erkenntnis, dass es wohl besser gewesen wäre die Wochen zuvor, einen kleinen aber sinnvoll lehrbaren Blick in dieses abgefuckte Mathebuch zu werfen. Stattdessen stecke ich meine Nase viel lieber in Deutsche und Englische Literatur, wie ich es mein lebenlang schon getan habe. Aber was kümmert es mich? Schlimmstenfalls werden mich die Leute dort für dämlich halten. Das einzig gute an einer neuen Schule:
Du kannst einen Neuanfang starten, so klischehaft es sich dies nun auch anhören mag. All die geknüpften Freundschaften - oder viel eher würde es das Wort Bekanntschaften treffen, da ich selten Freundschaften schließe - der letzten vier Jahre an meiner alten Schule, gingen mir besonders in den letzten Monaten des Abschlussjahres gewaltig auf die Nerven. Ich stellte schnell und abfällig fest: Alles blöde kack bratzen, leere Gefäße, die versuchen gedankenvoll zu wirken. Bis auf einen winzigen Teil, der sich unweigerlich in mein Herz geschlossen hatte. Nun wenige Wochen später, stellte sich erst heraus, wem etwas darin liegt den Kontakt aufrecht zu erhalten oder dich schneller vergisst, als eine zerquetschte Eintagsfliege, derren ableben du selbst verantworten zu hast. Im endefekt waren es im ganzen betrachtet alles nur dreckige heuchler, mich mit einbezogen. Und damit habe ich wohl einen großen Teil zu einer Selbsterkennung beigetragen, was mich viele Schritte voraus bringt.

Vielleicht mag es sich seltsam anhören, doch lieber möchte ich wieder diese Außenseiter Form annehmen und mich alleine durch den höllenartigen Schulalltag kämpfen, anstatt feste Freundschaften aufzubauen und sinnlos Energie zu verschwenden. Ist es so schwer zu glauben, dass ich die Gesellschaft meiner eigenen Gedanken, den sinnentleerten Gesprächen mit anderen vorziehe?  
Weil die Welt meiner Gedanken nicht von Medien und Gesellschaft lahmgelegt wurde? Ist die Einsamkeit nicht viel mehr in den oberflächlichen Freundschaften manifestiert?
Ja. Diese Einstellung ist tausendmal besser, als am Ende deprimiert und enttäuscht auf dem Schulhof alleine rum zu stehen. Ich kann sein wer ich möchte, mich verhalten wie ich es möchte, es wird egal sein, denn mich wird keiner kennen und gerecht verurteilen können.
Die Leute außerhalb dieses vorzeitigen Fegefeuers, kennen, lieben und Schätzen mich. Ich kann nur hoffen richtig zu handeln. Denkbar, dass es tatsächlich nur eine dunstartige Illusion ist, allerdings scheint für mich so ein fremdartiger, neubeginn im Moment passend zu sein.
Was kümmert mich jetzt die nahende Zukunft, wenn die Gegenwart noch blühend ist, denn alles was uns einsperrt, alles was uns brutal im rötlichem Scheinwerferlicht niedermetzelt, was uns atmen lässt, all die Offenheit und Grenzen durch Sprache, durch Geburt, Zeit, aber auch durch Ablehnung. – hat sich der Mensch selbst erschaffen.




Es tut mir leid, dass ich es momentan nicht schaffe, eure lieben Kommentare zu beantworten. Mir fehlt momentan jegliche Konzentration dazu anständige Worte über meine Lippen zu bringen, ob nun hier auf dieser Seite oder in der fernen Realtät. Ich danke euch trotzdem für eure liebe unterstützung, die ihr mir immer wieder beilegt♥

PS: Wünscht mir Glück... Morgen Füherscheinprüfung und ich bin laut meinem Fahrlehrer, zwar ein sehr schlaues und 'liebes' *hust* Mädchen aber kann auch eine einzige Katastrophe hinterm steuer sein, wenn ich mich nur dämlich genug anstelle, was kein Problem für mich sein sollte. Ich hab gewusst, dass mich diese verpeilte und tollpatschige art noch einmal im Leben viele nerven kosten wird. Hoffen wir einfach, dass ich beim ersten Anlauf bestehe und nicht länger diese verfluchte Hölle mitmachen muss.

 

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