Donnerstag, 15. August 2013


Ich schaue mich um, nach links, nach rechts. Es ist dunkel. Meine Hand tastet nach dem Lichtschalter, kurz darauf wird es hell. Zu rasch, zu stark, zu grell. Ich blinzle mehrmals, kneife die Augen immer wieder zusammen, fürchte zu erblinden. Sehe Farben. Rot, gelb, grün, blau. Ein Gemisch aus allem. Mond und Sonne kollidieren lautlos glühend ineinader. Der rote Feuerball beginnt zu erzittern, tödlich zu explodieren. Die Welt in farblosen überesten in Schutt und Asche zusammen mit meinem Freund des Todes legen. Rot und gelb verbindet sich, grün zerstört die Harmonie, blau versucht, sie wieder einzufangen. Der Moment, in welchem man die Augen schließt, weil das Licht zu hell ist. Die Netzhaut zu verglühen scheint. Wenn alles rot wird durch das Blut, das auch in meinen Lidern pulsiert. Je fester ich sie schließe, desto dunkler wird das Rot. Bis es schwarz wird. Schwarz. Schwärzer. Dunkelheit. Tod, Kälte, das Nichts. Bis alles weiß wird. Ich erwache durch das Geräusch des nichts. Ich öffne Müde die Augen. Leere und kälte neben mir. Der Platz neben mir ist leer. Ich ziehe die Decke näher an mich als Ausgleich dafür. Dämmere wieder weg in meine Traumwelt.  Als ich meine etwas gereizten Augen wieder öffne, ist es dunkel um mich herum. Kein wunder, denn ich liege unter meiner Bettdecke. Es ist wohlig warm hier drin, eingewickelt zu einer fetten Wurst. Eigentlich war es fast schon zu warm, wenn nicht sogar heiß. Die Decke hatte sich im schlaf wie ein Kokon um meinen Körper gewickelt, wie eine klebrige Wurstpelle haftete sie nun an mir dran.
Error 404 Not Found Hell scheint die Sonne durch die Gardinen am Fenster, die eigentlich dazu da waren, das Gegenteil zu bewirken. Das Sonnenlicht brennt förmlich in mein Gesicht. Ich kneife die Augen zusammen, drehe mich umher und versuche weiterzuschlafen. Doch vergeblich. Gedanken spucken in meinen Kopf umher, die mich nicht los lassen. Ich seufze schwer auf und lege mich schlussendlich auf den Rücken. Ich öffne die Augen, blinzle vorsichtig und bereue es sofort, da ich das Gefühl habe, mein Netzhaut wird durch das grelle Licht verbrennt. Ich kämpfe gegen das helle Licht für wenige Sekunden, sehe verschwommen und weiß, bis sich meine Augen an die Situation gewöhnt haben. Himmel! Taugt den dieser Vorhang gar nichts? Ich werfe dem samtenen Stoff am Fenster, der sanft, kaum bemerkbar hin und her weht, einen bösen Blick zu, als würde er dadurch in Flammen aufgehen. Ich seufze erneut auf, starre an die weise, sterile Decke. Unschuld. So wie ich? Ich lache innerlich hämisch auf. Ich lüge mit jedem Atemzug. Es ist ganz leicht. Unschuldig bin ich nicht. Kann eine Zimmerdecke unschuldig sein? Sie ist kein Lebewesen und macht den ganzen Tag … Ja, was den eigentlich? Nichts? Verdammt! Ich schüttle erneut den Kopf über mich. So unnötige, viele Gedanken am Morgen. Ich werfe die Bettdecke beiseite. Die Wärme die sich angesammelt hat, schwindet von mir und die Kälte rückt näher. Ich achte nicht darauf, setzte meine nackten Füße auf den Holz Boden, der unter ihnen leise, sachte zu knirschen beginnt und die anhaltende Stille durchbricht. Sachte tapse ich mit schwankenden Füßen auf das Häufchen Kleidung zu, welches auf dem hellen Boden liegt. Wie eine milchig verschlagene Scheibe, die mein graues Antlitz verzerrt, erinnere ich mich an den gestrigen Abend…
Bekifft, betrunken... und trotzdem erlebnis gestern abend mit einigen meiner Kumpels kann ich noch gerade stehen ohne jegliche Kopfschmerzen. Glanzleistung was man mit süßen 16 Jahren doch noch alles aushalten kann... APROPO fortgeschrittenes Alter. Moment.. Mein Gehirn brütet etwas aus.... Ich habs gleich... Ahhh. Jetzt weiß ich es wieder: 
ICH WERDE MORGEN FUCKING 17 UND ICH HABE SO GAR KEINE LUST AUF DIESEN BESCHISSENEN FUCKING GEBURTSTAG, DEN ICH LEIDER MAL WIEDER MITERLEBEN MUSS!!! GEBURTSTAGE SIND NE SCHEIß ERFINDUG UND ZU FEIERN DASS MAN VOR VERDAMMTEN 17 JAHREN GEZWUNGENERMAßEN DAS BESCHISSENE, FUCKING LICHT DER WELT ERBLICKT HAT IST IN MEINEM FALL SOWAS VON VERDAMMT UNNÖTIG!!! 
Fuck you.
Ich seh schon wieder das Bild vor mir, wie Verwandte, von denen man das ganze Jahr nichts hört, obligatorisch anrufen und einem "die besten Wünsche" auf diese Weise mitteilen. Nein, eigentlich falsch. Die letzen Jahre hat sich rein gar niemand gemeldet, auch wenn schweigen mehr weh tut, bin ich morgen ganz froh drüber. Auch die ganzen Pseudo-Freunde auf Facebook kleistern die Pinnwand und den Nachrichtenordner mit "ganz lieben Grüßen" und "alles gute" zu. Man könnte meinen, alle haben mich lieb. Wobei in meinem Fall das komplette Gegenteil herscht. Dabei kommen die ganzen Penner und Arschkriecher sowieso nur, wenn sie irgendwas wollen. Aber am Geburtstag, da herrscht Übereinstimmung, dass man den Trottel "von Herzen" grüßen muss und mit anderem scheiß zulabern muss. Wäre ja alles ganz okay dieses Tam-Tam und ich hätte auch nichts dagegen, wenn es nicht so scheiße falsch wäre und einfach nur gelogen. Und am Geburtstag sind sie plötzlich ganz lieb und fröhlich, als könnte sie kein Wässerchen trüben. Unglücklich zu sein oder auch nur die Mundwinkel nach unten zu ziehen und mal fünf Sekunden nicht lächeln ist unmöglich. Ich MUSS glücklich sein, sonst ist es gegen das Naturgesetz und den rest der Welt. Natürlich gibts auch wieder das obligatorische Kaffeetrinken am Nachmittag, zur "Feier das Tages". Verdammt, ich will diesen 'ach-so-tollen' Tag nicht feiern. Zumindest nicht so, wie ich es morgen eben MUSS. Meine ehemalige Patentante hat mich kurzhand überfallen, ehe ich mich raus reden konnte. So bin ich morgen um 15 Uhr bei ihr um diesen ganzen Kram über mich ergehen zu lassen. Nüchtern gehe ich da nicht hin! Viel zu anstregend. Warum soll man feiern, dass man immer älter wird? Ein weiteres Jahr überlebt hat? Ich überhaupt das verdammte Pech hatte das Licht der Welt zu erblicken? Geburtstag muss "gefeiert" werden, da führt kein Weg dran vorbei. Wahre Freunde habe ich nicht, da sie alle wie gesagt nur kommen, wenn sie irgendwelche Hilfe brauchen. Am Geburtstag werden dann fleißig SMS (anrufen macht wohl zu viel mühe) geschrieben und dann ist für die nächsten paar Monate erst mal Ruhe.  Auf solche Glückwünsche kann ich echt verzichten! Die kommen nicht aus Liebe oder Freundschaft, sondern aus Pflichtbewusstsein. Und dann wäre es am besten, man würde es gleich sein lassen, was meine Familie glücklicherweise gut beherscht. Ich wünschte, jeder würde zumindest meinen Geburtstag vergessen. Diese übertriebene, gespielte Fürsorge und Liebe und die ganz lieben oberflächlichen Glückwünsche kotzen mich sowas von an. Und jedes Jahr aufs Neue. Wie ich es hasse! Es wäre ja alles noch erträglich, würde es zumindest jemand ernst meinen. Ich bin mir sicher mit 17 ändert sich genauso wenig etwas, wie mit 16 Jahren (mal abgesehen damals vom Alkohol, was mich die Jahre zuvor auch nicht abgehalten hat) ... zumindest habe ich dann noch ein verdammtes Jahr bis zur großen 'Freiheit' aber dass man mit 18 so frei ist, wie ich es gerne hätte, das bezweifle ich stark. Schülerin, keine Arbeit, kein Geld, keine eigene Wohnung = Ausziehen unmöglich = noch weitere Jahre in dieser Hölle verbringen. JUHU! Entschuldigt, vielleicht kann es ja irgendjemand verstehen aber ich hasse diesen Tag wirklich abgöttisch.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen