Ich schaue mich
um, nach links, nach rechts. Es ist dunkel. Meine Hand tastet nach dem
Lichtschalter, kurz darauf wird es hell. Zu rasch, zu stark, zu grell. Ich
blinzle mehrmals, kneife die Augen immer wieder zusammen, fürchte zu erblinden.
Sehe Farben. Rot, gelb, grün, blau. Ein Gemisch aus allem. Mond und Sonne
kollidieren lautlos glühend ineinader. Der rote Feuerball beginnt zu erzittern,
tödlich zu explodieren. Die Welt in farblosen überesten in Schutt und Asche
zusammen mit meinem Freund des Todes legen. Rot und gelb verbindet sich, grün
zerstört die Harmonie, blau versucht, sie wieder einzufangen. Der Moment, in welchem
man die Augen schließt, weil das Licht zu hell ist. Die Netzhaut zu verglühen
scheint. Wenn alles rot wird durch das Blut, das auch in meinen Lidern
pulsiert. Je fester ich sie schließe, desto dunkler wird das Rot. Bis es
schwarz wird. Schwarz. Schwärzer. Dunkelheit. Tod, Kälte, das Nichts. Bis alles
weiß wird. Ich erwache durch das Geräusch des nichts. Ich öffne Müde die Augen.
Leere und kälte neben mir. Der Platz neben mir ist leer. Ich ziehe die Decke
näher an mich als Ausgleich dafür. Dämmere wieder weg in meine Traumwelt.
Als ich meine etwas gereizten Augen wieder öffne, ist es dunkel um mich herum.
Kein wunder, denn ich liege unter meiner Bettdecke. Es ist wohlig warm hier
drin, eingewickelt zu einer fetten Wurst. Eigentlich war es fast schon
zu warm, wenn nicht sogar heiß. Die Decke hatte sich im schlaf wie ein Kokon um
meinen Körper gewickelt, wie eine klebrige Wurstpelle haftete sie nun an mir
dran.
Hell scheint die Sonne durch die Gardinen am Fenster, die eigentlich dazu da
waren, das Gegenteil zu bewirken. Das Sonnenlicht brennt förmlich in mein
Gesicht. Ich kneife die Augen zusammen, drehe mich umher und versuche
weiterzuschlafen. Doch vergeblich. Gedanken spucken in meinen Kopf umher, die
mich nicht los lassen. Ich seufze schwer auf und lege mich schlussendlich auf
den Rücken. Ich öffne die Augen, blinzle vorsichtig und bereue es sofort, da
ich das Gefühl habe, mein Netzhaut wird durch das grelle Licht verbrennt. Ich
kämpfe gegen das helle Licht für wenige Sekunden, sehe verschwommen und weiß,
bis sich meine Augen an die Situation gewöhnt haben. Himmel! Taugt den dieser
Vorhang gar nichts? Ich werfe dem samtenen Stoff am Fenster, der sanft, kaum
bemerkbar hin und her weht, einen bösen Blick zu, als würde er dadurch in
Flammen aufgehen. Ich seufze erneut auf, starre an die weise, sterile Decke.
Unschuld. So wie ich? Ich lache innerlich hämisch auf. Ich lüge mit jedem
Atemzug. Es ist ganz leicht. Unschuldig bin ich nicht. Kann eine Zimmerdecke
unschuldig sein? Sie ist kein Lebewesen und macht den ganzen Tag … Ja, was den
eigentlich? Nichts? Verdammt! Ich schüttle erneut den Kopf über mich. So
unnötige, viele Gedanken am Morgen. Ich werfe die Bettdecke beiseite. Die Wärme
die sich angesammelt hat, schwindet von mir und die Kälte rückt näher. Ich achte
nicht darauf, setzte meine nackten Füße auf den Holz Boden, der unter ihnen
leise, sachte zu knirschen beginnt und die anhaltende Stille durchbricht.
Sachte tapse ich mit schwankenden Füßen auf das Häufchen Kleidung zu, welches
auf dem hellen Boden liegt. Wie eine milchig verschlagene Scheibe, die
mein graues Antlitz verzerrt, erinnere ich mich an den gestrigen Abend…
Bekifft, betrunken... und trotzdem erlebnis gestern abend mit einigen meiner
Kumpels kann ich noch gerade stehen ohne jegliche Kopfschmerzen. Glanzleistung
was man mit süßen 16 Jahren doch noch alles aushalten kann... APROPO
fortgeschrittenes Alter. Moment.. Mein Gehirn brütet etwas aus.... Ich habs
gleich... Ahhh. Jetzt weiß ich es wieder:
ICH WERDE MORGEN FUCKING 17 UND ICH HABE SO GAR KEINE LUST AUF DIESEN
BESCHISSENEN FUCKING GEBURTSTAG, DEN ICH LEIDER MAL WIEDER MITERLEBEN MUSS!!!
GEBURTSTAGE SIND NE SCHEIß ERFINDUG UND ZU FEIERN DASS MAN VOR VERDAMMTEN 17
JAHREN GEZWUNGENERMAßEN DAS BESCHISSENE, FUCKING LICHT DER WELT ERBLICKT HAT
IST IN MEINEM FALL SOWAS VON VERDAMMT UNNÖTIG!!!

Ich seh schon
wieder das Bild vor mir, wie Verwandte, von denen man das ganze Jahr nichts
hört, obligatorisch anrufen und einem "die besten Wünsche" auf
diese Weise mitteilen. Nein, eigentlich falsch. Die letzen Jahre hat sich rein
gar niemand gemeldet, auch wenn schweigen mehr weh tut, bin ich morgen ganz
froh drüber. Auch die ganzen Pseudo-Freunde auf Facebook kleistern die Pinnwand
und den Nachrichtenordner mit "ganz lieben Grüßen" und "alles
gute" zu. Man könnte meinen, alle haben mich lieb. Wobei in meinem Fall
das komplette Gegenteil herscht. Dabei kommen die ganzen Penner und
Arschkriecher sowieso nur, wenn sie irgendwas wollen. Aber am Geburtstag, da
herrscht Übereinstimmung, dass man den Trottel "von Herzen"
grüßen muss und mit anderem scheiß zulabern muss. Wäre ja alles ganz okay dieses
Tam-Tam und ich hätte auch nichts dagegen, wenn es nicht so scheiße falsch wäre
und einfach nur gelogen. Und am Geburtstag sind sie plötzlich ganz lieb und
fröhlich, als könnte sie kein Wässerchen trüben. Unglücklich zu sein oder auch nur die Mundwinkel nach unten zu ziehen und mal fünf Sekunden nicht lächeln ist unmöglich. Ich MUSS glücklich sein, sonst ist es gegen das Naturgesetz und den rest der Welt. Natürlich gibts auch
wieder das obligatorische Kaffeetrinken am Nachmittag, zur "Feier das
Tages". Verdammt, ich will diesen 'ach-so-tollen' Tag nicht feiern.
Zumindest nicht so, wie ich es morgen eben MUSS. Meine ehemalige Patentante hat
mich kurzhand überfallen, ehe ich mich raus reden konnte. So bin ich morgen um
15 Uhr bei ihr um diesen ganzen Kram über mich ergehen zu lassen. Nüchtern gehe
ich da nicht hin! Viel zu anstregend. Warum soll man feiern, dass man immer
älter wird? Ein weiteres Jahr überlebt hat? Ich überhaupt das verdammte Pech
hatte das Licht der Welt zu erblicken? Geburtstag muss "gefeiert"
werden, da führt kein Weg dran vorbei. Wahre Freunde habe ich nicht, da sie
alle wie gesagt nur kommen, wenn sie irgendwelche Hilfe brauchen. Am Geburtstag
werden dann fleißig SMS (anrufen macht wohl zu viel mühe) geschrieben und dann
ist für die nächsten paar Monate erst mal Ruhe. Auf solche Glückwünsche
kann ich echt verzichten! Die kommen nicht aus Liebe oder Freundschaft, sondern aus Pflichtbewusstsein.
Und dann wäre es am besten, man würde es gleich sein lassen, was meine Familie
glücklicherweise gut beherscht. Ich wünschte, jeder würde zumindest meinen
Geburtstag vergessen. Diese übertriebene, gespielte Fürsorge und Liebe und die
ganz lieben oberflächlichen Glückwünsche kotzen mich sowas von an. Und jedes
Jahr aufs Neue. Wie ich es hasse! Es wäre ja alles noch erträglich, würde es zumindest jemand ernst meinen. Ich bin mir sicher mit 17 ändert sich genauso
wenig etwas, wie mit 16 Jahren (mal abgesehen damals vom Alkohol, was mich die Jahre
zuvor auch nicht abgehalten hat) ... zumindest habe ich dann noch ein
verdammtes Jahr bis zur großen 'Freiheit' aber dass man mit 18 so frei ist, wie
ich es gerne hätte, das bezweifle ich stark. Schülerin, keine Arbeit, kein
Geld, keine eigene Wohnung = Ausziehen unmöglich = noch weitere Jahre in dieser
Hölle verbringen. JUHU! Entschuldigt, vielleicht kann es ja irgendjemand
verstehen aber ich hasse diesen Tag wirklich abgöttisch.


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