Montag, 1. Juli 2013

Toter Stein

Eine Tür knallte zu. Unsere Eingangstür. Das wusste ich ganz genau, da sonst keiner im Haus war. Das laute Geräusch schwang schallend zu mir hoch. Sofort war es, als wäre das leere, große Haus mit tausenden von Geistern bewohnt, denn die sonst so totenstille schwand dahin. Es war die Alltägliche Situation, die mich aus meinen tiefgrüdnigen Gedanken riss und wissen ließ; ich bin noch am leben, die Menschen und ich sind noch auf diesem Planten. Die Welt ist eben nicht Untergegangen, während ich abgetrieftet war. Es ist ein Gefühl, als lebe man unter einem eingefrorenen See. Unter dem Eis, kaltes Wasser in den dunklen tiefen eingespert. Bis auf das Gefühl des schmerzes, aufgrund des Wasser, welches sich augenblicklich zu flüßigen Dolchen verwandelt, auf die geschundene Haut einsticht ohne Rücksicht von verluste. Taub bin ich gegenüber der Umwelt geworden. Muss einen Krieg in meinem Inneren ausfechten. Das Herz zerschossen, durchlöchert, zerstochen in meinem Kasten. Es gleicht einem Dolch in meiner Brust, der mich seit ein paar Wochen begleite. Alles leer, ausgebrannt, meine Seele. Sehe eine Schwärze des Rauches aufschwirren aus mir. Was ich mal war, das scheint nur noch so. Stimmen wispernden in meinem Kopf. Erst undeutlich, verworren, dicht wie Nebel. Bis mir klar wurde, die Stimme ist außerhalb, nämlich in diesem Gebäude. Ich fühlte mich unbeholfen, als mir in den Sinn kam, dass es nur meine Mutter sein konnte, welche das Haus betrat. Wollte laut aufschreien, als sie die angenehme stille mit einem lauten "Ich bin wieder da" durchbrach. Mich beraubte. Ich wünschte mich überall hin, nur nicht in ihre Nähe. In Niemandens Nähe. Wenn man lange Zeit alleine war, fängt man an es zu lieben und sich in der Nähe anderer unwohl zu fühlen. Man sehnt sich nach den stillen Gedanken und der Ruhe um einen herum. Kaum tritt eine unerwünschte Person in den Raum, ist es als wird eine Glasscheibe zerschlagen,  die stille, das alleine sein wird durchbrochen. Ich schrecke zusammen. Meine Mutter, die meinen Namen lautstark rief. Jeder Vorname hat eine eigene Bedeutung. Ich konnte zu Hölle noch nie etwas in meinem Namen finden, was für mich und andere von Bedeutung sein sollte. Frustiert schnaubend gab ich meinem Schicksal nach. Wahrscheinlich wollte sie mich wieder anschreien, über mein vergessen sämtlicher Hausarbeiten. Ich blieb stehen am Treppenrand. Die Mühe ersparte ich mir. Anschreien konnte sie mich auch von dort unten. Ihr Gesicht versteckte sich im dunklen des Schatten überfluteten Flures im unteren Stockwerkes. Genau 16 Treppen trennten mich von dem Monster des verderbens ihr. Gerade wollte ich mich rechtfertigen, von wegen, ich habe meine Hausarbeit erledigt seh ich aus wie ne fucking putzfrau?, da fiel mir etwas bedeutsames auf ... nein eigentlich fiel mir gar nichts auf. Und das war ja gerade das beunruhigende. Nichts. Schweigen. Stille. Seit Sekunden. Das Schweigen längst überfällig. Unmöglich in diesem Haus. Unmöglich das von meiner Mutter erwarten zu können. Was ist hier los? Nervös begannen meine Finger zu zittern, krallten sich in meine Haut und bohrten sich immer tiefer hinein. Sachte und leise wispernden in meinem Kopf wieder diese altbekannten Stimmen. Stimmen voller befürchtungen. Stimmen der Angst. Ich schluckte. Schwer. Erstickte beinahe. Jetzt reicht es! Mal nicht gleich den Teufel an die Wand. Sauerstoff wurde aus dem nichts aus meinen Lungen gezogen. Panik. Ich nahm einen tiefen Atemzug. Schmerzend. Als krallte sich schmerzhaft ein Tier an mich fest. Fuhr es genüsslich aus. Verteilte  sich quälend langsam am meinem Körper. "Mum?" Kaum nahm ich war, dass es meine Stimme war. Ganz leise und sachte, ich konnte sie nicht erfassen. Und bahnte sich einen Weg zu dem Mittelpunkt des Lebens.


"Onkel Helmut ist tot. Heute gestorben."

Mein Herz. Wollte es vernichten. Vorsichtig umschloss er es. Sanft und spielend zugleich, als wollte es mir nicht schaden. Spielerisch streifte er seine Krallen an der dünnen, empfindlichen Haut des Herzens. Keinerlei Schutz hatte es für mich übrig. Mein Körper erschauderte und versuchte zu entkommen. Vergebens. Ohne jegliche Vorwarnung drückte er eine seiner Krallen in das, geschundene Herz. Ein Hauch, ein Ton, Symphonie der Qual. Stehe Stocksteiff da. Eiskalte Finger krallten sich in den weichen Stoff meines Pullovers, die Ärmel bis über die Fingerspitzen gezogen. Ein Gefühl des Schutzes, doch noch lange nicht genug. Ich sehnte mich nach wärme, obwohl mir nicht wirklich kalt war. Nein. Es ist die innerliche Kälte. In mir. Angefüllt mit Leere. Seltsamerweise regierte noch etwas völlig anderes in mri. Schwebende Schwere in dieser hohlen Atmosphäre. Stumm ist mein Geist mitsamt meinen Gedanken an ein Kreuz geschlagen. Spitze Dornen mit erforenen blauen Blut. Lebloser toter Stein. So fühlt sich leben an.


Hab versucht mit dem Atmen aufzuhören, doch schnappte ich immmer wieder nach der dünnen Luft. 

Nicht schon wieder. Diese Familie muss verflucht sein.

Kommentare:

  1. ich würde gerne die sonne auf deinen toten kalten stein scheinen lassen, damit die wärme bis ganz in das inner dringt und die sonnenstrahlen ihn umamren.

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  2. worte können dir im moment
    nicht helfen
    doch tut mir leid
    was du gerade alles durchmachst.
    nach allem was du erlebt hast
    solltest du jetzt glücklich sein dürfen.

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  3. weißt du was mir aufgefallen ist? bands können sich so schnell verändert :(
    http://www.xoxo11.blogspot.de/2013/07/fehlschlag-der-woche-10.html

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