Sonntag, 2. Juni 2013

Aus dem nichts Finsternis umschlingt mich, reißt mich zu Boden. Dunkle Schatten bedrängen mich. Erwarten mich mit einem dunklem Grinsen. Die dunkle Flüssigkeit, die dem Handeln der Menschen so sehr ähnelt, ertränkt mich. Lässt mir keine wahl. Der harte Packetboden unter mir bohrt sich in meinen Rücken, gibt mir gleichzeitig auch den nötigen halt.  Die Spuren der letzten Tage und die bleierne müdigkeit kriechen in mich, wie Maden in einen verwesenden Körper tief unter der Erde. Das Leben hasst mich, lässt mich aber zugleich nicht gehen, so sehr ich es auch will. Ich stemme mich ihm entgegen, wie ein Fels im endlosen schwarzen Meer es bei den zerstörensten, grausten Stürmen tut. Die Welt zerbricht. Löst sich aus dem festen Halt. Steinernd die Überreste. Ich möchte ihr nicht mehr ins Gesicht schauen. Fliehen mit meiner liebsten. Schaue der Wahrheit immer wieder in ihr verzerrtes Gesicht. Will mich verstecken, leise wimmern, voller angst, wie der ängstliche Hase auf der Flucht vor dem hungrigen Wolf, doch ich kann nicht. Einatmen, ausatmen, dies scheint meine einzige Tätigkeit zu sein. Meine Gedanken sind ein großes Wollknäuel. Ein großer, grauer Kloß oder wie ein Gewitter, das jeden Moment ausbrechen könnte. Ein tropfen fällt hinab in die Tiefe. Klatsch auf und zerbricht am harten Boden der realität. Selbst die Atmosphäre in diesem Raum ist beklemmend, geradezu bedrückend, wenn man  nicht weiß wieso. Diese Angst die sich in meinem Bauch zusammenzieht, wie ein Fremdkörper und mir langsam die Luftröhre hinauf steigt, als könnte ich nicht atmen. Es fühlt sich an als würde sie mich erwürgen. Mein Kopf droht zu platzen, zu ersticken an Gedanken. Mich von innen herauß zerreisen. Bis ich nur noch ein Schatten meinerselbst bin. Mit einem Schlag ist die bittere Kälte da und lässt mich erstarren. Sie geht mir durch Mark und Bein. Bis mir auffällt, dass die Dunkelheit heute eine andere ist. Als lege sie sich wie ein Schleier um mich, als wolle sie mich an sich binden und mich für immer in ihre tiefen ziehen, sodass ich komplett verschwinden würde aus dieser Welt. Nur das flackernde Licht der Lampe an meiner Decke wirft schwaches, doch zugleich grelles Licht. Es erinnert mich als einzigstes noch an Leben. Es fällt sanft in den Raum, wirft spielende Schatten an die Wand. Es wirkt schwindeleregend. Das Flackern wird immer schwächer und erlöscht nach nur einigen Minuten. Als puste man eine Kerze aus. Mit einem hauch ist alles Dunkel um mich herum. Einatmen, ausatmen. Wann darf ich endlich damit aufhören? Das Dunkle geht voran, kreuz und quer. Und das Licht rennt hinterher, versucht mir den Weg zu zeigen, aber das Dunkle ist zu schnell. Renne beinahe schon panisch vor dem Licht weg, doch suche es fast verzweifelt. Sehne mich nach der Wärme, die meine kalten Knochen erwärmt. Stattdessen kalte monotone Leere streicht über meine Hände. Und die einzige Lösung, die ich nach dem Tod noch sehe, ist die Flucht zu ergreifen. Der Tod, er hasst mich, will mich nicht, nach etlichen versuchen. Verdammt, gefesselt, angekettet. Alles liegen und stehen lassen, das Leben Leben sein lassen. Die Menschen vergessen. Mein Zuhause vergessen. Irgendwo wild umher. Ich brauche jemanden zum fort rennen, den steilen Horizont vor mir erklimmen. Doch wer würde mit mir davon rennen? Niemand.

Runaway_large

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