Donnerstag, 27. Juni 2013

death is always the winner

Eine Wand aus Schwarz erhob sich vor mir. Dunkel wie die Nacht, getränkt in tiefe Trauer, welche niemals mit Worten beschrieben werden könnte, solch eine bedrückente Stimmung befindet sich in dem schwarzen Loch. Irgendwo mitten drin befinde ich mich, gestärkt durch meine lieben Kameraden im Rücken. Schwarz in Schwarz reiht sich Anzug an Anzug, ein dunkler Fleck, der nicht weiter auffällt an diesem grauen Regentag,  dunkel im Leben all derjeniger, die jemanden verloren haben, dessen Abwesenheit ein schwarzes Loch hinterlassen wird, nicht nur im Leben seiner Familie. Auch im Leben unserer Klasse, meinem trostlosen Leben. Der Trauergottesdienst war schlicht und dennoch ergreiffend, bis auf wenige Punkte, die mich beinahe tobend durch die Kirche schreien ließen. Doch ich beherrschte mich. Es war nicht der Zeitpunkt, um die loderne Wut über diese naivität mancher Menschen los zu werden.Vorne erzählte der Pfarrer, dass Gottes Liebe barmherzig und unendlich sei.Wenn mein lieber Freund nun neben mir säße und das die Beerdigung eines Anderen gewesen wäre, hätten wir uns über diese Ironie vielleicht lustig gemacht. Wie kann man die Dreistigkeit besitzen und Gott preisen, wenn dieser gerade einen Menschen aus dem Leben gerissen hatte? Doch er saß nun einmal nicht neben mir, uns. Er lag in irgendeinem scheiß Holzkasten, entblößt, wo er seine unendlichkeit vollbringen würde. Ich sehe den Schmerz, der so tief sitzt in den Augen seines besten Freundes, wir uns nur Stumm schweigend während der Predigt in den Arm nahmen, versuchen den Schmerz zu nehmen. Geteiltes Leid, ist halbes Leid. Als sein Name ertönte, weil er nun einmal ihm sehr lange kannte, beobachtete ich gerührt, wie er sich mit dem Taschentuch eine Träne beiseite wischte. Beinahe schon niedlich. Augenblicklich stieg ein Kloß in mir auf, welcher Kopfschmerzen verursachte. Tränen die ich runter schluckte. Als dann auch noch rechts von mir und hinter mir alle anfingen zu heulen, hätte ich am liebsten alles verflucht. Am ende gewann meine Eiskalte Maske jedoch. In machen Augenblicken sahen wir uns an, mit hoffenden Augen, welche einen Wunsch, eine bitte erzählten: Unser lieber Kamerad, der strahlend lebendig das kalte Gebäude der Kirche betrat. Doch während der gesamten Predigt, warteten wir vergebens zusammen. Aufhören zu warten darauf, werden wir jedoch nie.

Weiß blitzen die Taschentücher in dem schwarzen Meer, weiß, wie ein Hoffnungsschimmer, trocknen sie die Tränen, heiß tropfen sie auf die schwarze Erde, die frischen Gräber und können sie doch nicht den Schmerz des Verlustes stillen. Ich atmete zitternd ein und genauso unkontrolliert wieder aus. Meine Augen mögen wohl in diesem Moment als einzigste Staubtrocken sein. Wieso weinen in der öffentlichkeit, wenn ich in den letzten Tagen nichts anderes getan habe? Die Bäume blicken reglos auf die Szenerie herab, die sich vor ihren uralten Augen abspielt. Ein Anblick, den sie schon so oft erlebt haben, jedesmal derselbe, und doch jedes Mal völlig verschieden. Die Abläufe bleiben dieselben, die Reaktionen der Menschen ähnlich, wenn auch nicht gleich. Nehmt mich als beispiel. Die Wolke aus Taubheit und Kühle umfasst mich, trotz dem Anblicks vore. Trotz der tiefen trauer und des tobenden schmerzes in mir. Eine zurückgebliebene Familie, die vor Schmerz kaum stehen kann, niederdrückend, zitternt, wimmernd, heulend. Das heulen nimmt zu, als der Sarg in das tiefe schwarze Loch hinabgelassen wird. Ich höre nichts anderes, als das klagende heulen der Familie. Es zerfetzt mein Herz förmlich. Am liebsten möchte ich es sofort in tausend Teile reißen, damit es nicht das Szenario vor mir tun kann. Es wäre erträglicher, wie als würde ich mir selbst ein Messer in den Bauch rammen, bevor es ein fremder, viel Schmerzhafter und brutaler tut. So hätte ich zumindest die Kontrolle über das geschehen. Eben dieses habe ich verloren. Die Welt hat einen schaden, uns so einen wundervollen Menschen von uns nehmen müssen. Ich kann förmlich sehen; die Hoffnung der Eltern, Geschwister wie die Sonne hinter den grauen Bergen versinkt. Sehen das wärmende Feuer erlöschen. Erde zu Erde. Asche zu Asche. Staub zu Staub. Das alles bekomme ich nur gedämpft mit. Die Geräusche, die an mein Ohr dringen, sind dumpf. Bevor die Trauerkapelle erneut anfängt zu spielen, beginne ich wieder etwas zu realisieren von meiner tristen Umwelt, beinahe die laut, sanften Trompeten Klänge das geklage der Familie überdeckt. Ich erinnere mich daran, als wäre es Jahre her. Musik war sein leben. Er lebte einzig allein für die Musik 16 kurze Jahre. Ich spüre weiche Arme hinter mir, die sich wenige Sekunden um mich schlingen. Die weiche Haut, der einzigartige Duft, das Brünette lang glänzende Haar, um welches ich sie immer beneiden werde. Umdrehen muss ich mich nicht. Ich weiß wer hinter mir steht. Wahrscheinlich hat sie irgendeine Aura an sich. Meine Freundin, S. Ich spüre ihre warme Tränen an meinem Hals hinab laufen, als sie sich von hinten an mich lehnt, mich umarmt. Sie darf das. Sie ist nur knapp größer wie ich. Ich lasse ihre nähe zu, aus dem einfachen Grund, dass nur sie es darf. Geborgenheit. "Grauenhaft. Seh da nicht hin", flüßert sie in mein Ohr, beinahe beschützend. Eine Stimme wie brüchiges Glas. Ich nicke nur abwesend, tu es aber trotzdem mit traurigen Augen. Es ist wie ein Unfall. Hinsehen muss jeder, selbst wenn dieser Anblick noch so weh tut im Herzen. Ich habe ehrliches Mitleid mit dieser Familie. Auch wenn ich Mitleid wie die Pest verabscheue. Für mich ist es, wie lästiges Ungeziefer. Überall, in jeder verstaubten Ecke. Verotten wird es nie. Wenn ich die Mutter wäre ... ich würde zerbrechen unter dieser Last, dem Gewissen ein Kind verloren zu haben. Doch ich schätze, ich werde niemals Kinder haben. Eine gute Mutter könnte ich niemals sein, nicht außer acht gelassen, dass ich nicht sonderlich von den kleinen Biestern angetan bin und davon ein Kind verlieren zu müssen erst recht nicht. Meine Ansicht wird sich in zwanzig Jahren vielleicht ändern. Vielleicht aus nie. Ich spüre S.'s Blick auf mir. Sie fängt meinen auf, der Steinhart auf der Familie ruht. Wie sie besorgt in mein nachdenkliches blasses Gesicht sieht. Es bedeutet nichts gutes mich so zu sehen und das weiß sie. Ich habe nie darüber sonderlich nachgedacht aber dieses Mädchen weiß wohl mehr über mich, als ich je über sie wissen könnte. Unheimlich. Zugleich beruhigend. "Du Eisprinzessin du. Wann wirst du endlich mal deine Gefühle zeigen können?" Ich lache nur kalt über diesen Satz. Wenn sie nur wüsste. Lautlos traurig seufzend lehne ich mich an ihr zurück, obwohl wir uns schon nahe genug sind. Ohne dass es jemand von uns beiden stört fängt sie mich auf. Es ist die einzige regung, die ich seit Minuten zeige. Und es ist die einzisgte nähe, die ich jemals ertragen könnte. Sie weiß einiges. Nur nicht alles. Einiges ist nicht genug. Sie versteht mich nicht. Nicht einmal als gute Freundin. Ich werde immer so sein. Ich werde den Leuten immer misstrauen. Egal wem. Ich werde immer abweisend und alleine bleiben. Eiskalt.


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Der Text sollte nicht zu lang werden, deshalb geht es noch weiter irgendwann. Die Beerdigung war übrigens gestern. Aber lest selbst.


Alles Merkwürdig. 168 Stunden.


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