Mittwoch, 2. Januar 2013

Ferienmodus


"fuck", fluche ich vor mich hin, da diese blöde eingangstür nicht zugehen möchte. na komm schon!
"hey! alles klar?", ruft es hinter mir, von einer nur allzubekannten stimme. ich drehe mich ruckartig um und trete die tür unaufällig mit meinem fuß schnell zu, bevor ich das wohnzimmer betrete, welches neben an liegt.
na geht doch!
dort steht phillip (ich darf ihn, himmel sei dank, mit vornamen ansprechen, weil er dieses gesize hasst. welcome in the club), mein gitarrenlehrer, welcher mich grinsend ansieht. mist! eben doch nicht so leise geflucht, wie ich dachte. "joa. alles bestens." alltag. er fragt mich dies immer. ich lüge immer. ich setze mein schönstes fake-grinsen auf, welches ich je beherscht habe.es bereitet mir keine große mühe. tut es nie.
sagt man die wahrheit, wird man nur mit großen augen angestart. die leute erwarten solch eine antwort. die leute erwarten, dass es einem gut geht.
probleme sind heutzutage fast schon unmenschlich in dieser scheinbar friede-freude-eierkuchen/problemfreien menschheit. ich schüttle den kopf, um die miesen gedanken los zu werden. jetzt erstmal nicht!  ich weiß, dass er niemals so wäre. ich weiß nicht, warum ich das weiß. ich weiß nur, dass er wirklich talentiert ist in sachen musik, der mit den ganz großen gitarristen locker mithalten könnte. nun gut. er hat es auch alles studiert, doch zudem gehört auch ein wenig begabung hinzu. er hat meinen vollen respekt, im bezug auf das was er erreicht hat.

"geh doch schon mal oben. ich komme gleich nach", meint er noch, fängt plötzlich wieder an zu grinsen, als im hintergrund das laute schreien und weinen von zwei kleinen kindern ertönt. irritiert schaue mich ich nach der geräuschequelle um.
"meine kleinen streiten sich um den spieltraktor. wenn ich nicht dabei bin, schlagen sie sich noch die köpfe ein.", fügt er noch hinzu. ich lache nur und beobachte wie er wieder, leicht gestresst um die ecke verschwindet und mit leiser, sanfter stimme versucht, den streit seiner zwei söhne zu schlichten.


später sitzen wir oben in dem kleinen musikraum und hämmern auf auf unsere gitarren ein. er mal wieder mit so einer hammer, geilen roten gibson gitarre, die man nur anschauen kann, als wäre sie gott höchstpersönlich und ich mit meinem lieben jimmy. eine schwarze les paul epiphone e-gitarre kann natürlich rein theoretisch gesehen, niemals mit so einer gitarre mithalten, trotzdem für mich kann sie, verzeihung .... kann jimmy das sehr wohl und wird das auch immer. nach der lästigen aufwärmübung für die finger, geht es an die sogenannten "AC/DC akkorde" ran, da diese sehr oft in den Songs von AC/DC vor kommen und auch von anderen bands verwendet werden. so weit so gut. ein kurzer crashkurs und los geht es mit TNT von der eben genannten band. es sind nur wenige Chords, welche eigentlich schnell zu beherschen sind. doch aus irgendeinen grund, bin ich heute wahnsinnig ungeschickt mit meinen fingern. ich komme mir vor wie ein anfänger, obwohl ich die meiste zeit in den ferien nur an meinen gitarren hing. jimmy klebte förmlich an mir.

ich seufze etwas angenervt über mich selbst auf "sorry, ich bin heute wahnsinnig ungeschickt.", richte ich entschuldigent meine worte an ihn. das ganze ist fast schon peinlich. soetwas ist mir wiklich noch nie passiert. er lacht nur mal wieder. "macht nichts. passiert. ferienmodus, ne?", winkt er ab und über den letzten satz muss ich sogar lachen. ich verfestige den griff um jimmy, ziehe ihn wieder an mich heran, weil er immer weiter von mir weg rutscht. habt ihr einmal eine 5 kilo schwere gitarre durch den halben ort geschleppt, in einem gefühlten tonnenschwerem gitarrenkoffer? nein?
danach hat man entweder, sollte man so klein sein wie ich, kurzzeitig rückenschmerzen oder man fühlt sich leicht geplättet. nach einem weitern anlauf, läuft es mit den griffen schon besser. er meinte sogar, ich habe mich nicht mal so dumm angestellt. sicher? nach 30 minuten beendet er die stunde. wir quatschen noch ein wenig, verabschieden uns anschließend. cooler typ für sein alter. er scheint geistig jung geblieben zu sein, das erklärt auch sein lockeres verhalten.
draußen warte ich auf meine mum. ich finde es schade, dass die stunde immer so schnell vorbei geht. es macht spaß, besonders, wenn wir zusammen etwas spielen. es gibt 30 minuten lang nur dich und deine gitarre. die perfekte ablenkung. man vergisst einfach alles. sicher, zuhause kann ich auch spielen aber zuhause funktioniert das mit dem abschalten nicht so gut. ich ziehe meine jacke enger an mich. ich fröstle leicht, durch den etwas dünnen stoff meiner lederjacke und den kühlen wind, der wohlbemerkt momentan meine haare zerstört.
bevor der lästige wind noch mehr schaden anrichten kann, fährt in diesem moment das rote auto meiner mum um dich ecke, welches nach wenigen metern vor mir hält. ich seufze deprimiert auf, verfluche mal wieder alles, öffne die tür und schlage sie extra häftig zu, was nur mit dem stummen, empörten blick von mum quittiert wird. zurück in die hölle.

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