Mittwoch, 23. Januar 2013

nächtliche störungen



Die Stimme meiner Mutter hallt im gesamten Haus wieder und ich beginne es langsam zu verfluchen. Eigentlich bekam man in diesem Haus alles mit.  Jeden Schritt, jedes krächzen der Holz dielen, hörte man mindestens noch im Nebenzimmer. Aus diesen Gründen war es eine Kunst und reine Nervensache sich nachts, wohlbemerkt leise als sogleich unbemerkt aus dem Haus zu schleichen. Ich hatte schon so manche Strapazen auf den Holztreppen erlebt, bei welchen es unmöglich war einer der quietschenden Treppen zu verfehlen, die heimtückisch nur auf einen falschen Schritt meinerseits wartenden.
 Doch an diesem Abend war mich nicht nach einem Nächtlichen Ausflug. Wohlmöglich würde mein Fluchtversuch unangenehme Folgen haben, wie angenommen  es meiner angeschlagenen Gesundheit den Rest geben und ich konnte die Mündliche Englischprüfung am Montag krank antreten, was ich lieber nicht riskieren wollte, aufgrund das zu meinem Vortrag über Green Day ein kleines Gitarrenstück geplant war, zudem ich wohl oder übel singen musste. Kann den Lehrern ja wohl schlecht ein Blatt mit dem Songtext darauf vor die Nase legen und sagen: „Hier bitteschön. Singen können sie ja selbst!“
 Wohlbemerkt keine schlechte Idee, doch ich habe es satt, das jeder an mir Zweifelt, inklusive meine Partnerin für die Prüfung. Ich habe kein Problem vor nur drei Leuten meine Gitarren’künste‘ auszuüben. Ich weiß nicht, warum alle so an mir Zweifeln. Aus diesem Grund wurde schon vor Monaten der Ehrgeiz bei mir erweckt um das Beste aus meiner kurzen Songeinlage herauszuholen und Holiday kann man nebenbei wunderbar performern.
Was konnte schon passieren? So lange mich nicht wieder einer dieser verdammten Anfälle, wie am Sonntagmorgen einholte, sah ich allem positiv entgegen.
Ich fluchte laut auf, als Mum vom Elternschlafzimmer, leider gleich nebenan, bereits schon das dritte mal in Folge lautstark schreit, ich solle doch meinen Wecker für morgen früh stellen. Ich verdrehe nur genervt die Augen. Ja, verdammte scheiße!! Ich bin nicht taub. Natürlich stelle ich ihn nicht. Meine Taktik zu verschlafen, was selten passiert. Bevor das Ding klingelt, bin ich wach oder konnte erst gar nicht einschlafen mehr. Es war keine Seltenheit in meinem Leben, zwei, drei Nächte kein Auge richtig zu zubekommen. Woran das lag? Ich weiß es nicht so genau. Vielleicht die Angst vor meinen Träumen. Grauenhaft, realistische Träume. Ich sehe dort Dinge, die ich niemals sehen wollte. An sich nicht schlimm. Könnte ich mich nicht an jedes Detail haargenau erinnern, als stände ich direkt daneben, als hätte ich es miterlebt. Das wirklich erschreckende daran ist: Ich habe mich daran gewöhnt. Ich nehme es hin. Irgendwann, da bin ich mir sicher, wird es auch wieder nachlassen. Es kann und vor allem darf nicht so für immer bleiben. Für immer ist mir eine Spur zu lange, wie man es auch dreht und wendet.

Im Nebenzimmer wird es still. Ich atme erleichtert auf. Mein Kopf wäre beinahe geplatzt. Wie kann ein Mensch nur so unfassbar laut und störend sein? Ich mag laute Sachen, wie zum Beispiel Musik, jedoch nur dann, wenn die Musik nicht störend ist. Genauso ist es auch mit meinen Mitmenschen. Ich hasse es, wenn ich zu getextet werde und gewisse Dinge mir zum xten mal anhören muss. Noch schlimmer, wenn ich dabei beinahe angeschrienen werde, weil mein Gegenüber anscheinend einen Hörschaden hat, den er mir wohl auch verleihen möchte.
 Augenblicklich setzt wieder dieses Rauschen in meinen Ohren ein. Gekonnt ignoriere ich es.  Ich schmeiße meinen Stift weg, den ich seit einigen Minuten still in meiner rechten Hand festhalte, der mit einem dumpfen Geräusch auf meinem Deutschheft aufprallt. Genug für Heute. Ich lasse alles stehen und liegen so wie es ist, auch wenn mir bewusst ist, dass es morgen früh etwas stressig werden könnte, wenn ich das Zeugs noch zusammenpacken muss. Ich sehe es kommen, dass sämtliche Sachen liegen und vergessen werden. Trotzdem ist es mir egal. Mit wenigen Schritten bin ich an meinem Bett, schalte das Licht aus. Lasse mich entkräftet darauf fallen und kuschle mich in mein weiches Kissen. Ich döse eine weile vor mich hin, bis ...

"DONT WANNA BE A AMERICAN IDIOT...



DON'T WANT A NATION UNDER THE  NEW MANIA!!!"

 mein Handy anfing die ersten Zeilen von American Idot zu schreien. WER VERDAMMTE SCHEIßE RUFT MICH JETZT AN???

 "AND CAN YOU HERAR THE SOUND OF HYSTERIA?"

Jaja. Noch nie etwas von Ruhestörung gehört?
Im halbschlaf fluchend, drehte ich mich um und tastete mich blindlinks nach meinem Handy voran. Wo ist das Teil nur? Es ist doch annehmbar, wenn es schon so rießig ist, dass es auch zu finden ist. Ich drehte mich weiter nach außen, in der Hoffnung das der späte Störenfried etwas gedult hat. So ein Idiot!

Dem Anschein nach, drehe ich mich etwas zu weit nach außen, obwohl mein Bett Platz für mehr als vier Leute hätte, käme es hart auf hart. Mit einem großem Knall liege ich nicht mehr auf der weichen Matratze, sondern auf dem harten Holzboden. Fuck you!

 "THE SUBLIMINAL FUCK AMERICA"

 "FUCK!" 
 Erstmal fluchen, ne? Ich reibe mir schmerzhaft den Kopf. Vor meinem Augen sehe ich nur noch Sterne. Ich will mich gerade aufsetzen, als ich eine bekannte Form neben mir spüre. Da ich mehr oder weniger nichts sehe, nicht nur wegen deswegen, weil das Licht aus ist, taste ich blind wie ein Maulwurf danach. Und oh wunder: Mein Handy. Ich schnappe es mir, schaue auf die unbekannte Nummer, sogleich wie auch Ausländische. Oh gosh. Am besten ich geh erst gar nicht ran. Doch meine neugierde überwog mal wieder.

"Wer stört?!", knurrte ich in den hörer. Bin ich nicht freundlich? Ich liebe Leute, welche mich um kurz vor Mitternacht aus dem Bett klingeln. DEFINITIV NIIIICHT!!

Zuerst hörte ich nur ein rauschen. Dann laberte mich plötzlich eine Frauenstimme zu. Wie schon vorher an der Nummer erkannt, keine aus Deutschland. Ich ziehe die Augenbraun in die höhe und höre angestreng zu. War das Italienisch, Spanisch? JAPANISCH??

Nach weiteren Sekunden, in denen ich mich sehr still verhalten habe, finde ich heraus, dass es sich eher nach dem ersten der zwei anhört. Eigentlich ist es mir ja scheiß egal.

Weil ich natürlich fließend Italienisch spreche und verstehe. Ha ha.

Ich will nur zurück in mein Bett. Stattdessen liege ich daneben. Der Boden wird langsam unbequem, übrigens.

Um auch mal meinem Senf dazuzugeben, melde ich mich mit einem verwunderten "HÄÄÄH???" zu Wort. Man will ja schließlich die Konservation aufrecht erhalten, ne?

 Das Weib quatscht weiter auf mich ein und ich versuche ihr auf Englisch beizubringen, dass ich kein Plan von ihrem gelaber habe. Warum ich nicht einfach auflege? Dazu bin ich heute mal zu Sozial und außerdem bin ich gespannt wie es es ausgeht. Ich brauche ja schließlich auch noch was zum lachen?
 Anscheinden kann sie Englisch (Weltsprache sei dank) und ich versuche ihr zu Erklären, dass sie sich verwählt hat. Versuchen darum, weil es mitten in der Nacht ist, ich verpennt bin und mein Hirn auf Schlafmodus eingestellt ist. Damit wurden sämtliche Kenntnise ausgelöscht, you know?
 Ich bin einfach zu Müde um Englisch denken UND gleichzeitig sprechen.
 Nach weiteren 5 Minuten (ist ja ihre Telefonrechnung) hat sie es immer noch nicht geschnackelt.
 Mir wird es zu blöde, ICH LEGE AUF. So. Die kann mich mal -.-

Eine weile bleibe ich noch am Boden liegen, bis ich mich erhebe, mich ätzend erneut in mein Bett fallen lasse, NACHDEM ich mein Handy auf lautlos gestellt habe. So'n fuck! 

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Es hat mich mehere Stunden Arbeit + Nerven gekostet, nur die überschrift Green Day artig zu gestallten. (mündliche englisch :P) Als Vorlage zum Abzeichnen diente mein Poster über meinem Bett.
 Noch nicht fertig.



 

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