Nur ein Wort
Der Schmerz steigt so langsam und regelmäßig,
dass man es beinahe hören kann, das etwas, wie es kriechend hochgekrochen
kommt. Zögerlich, dass es beinahe erträglich ist. Alltäglich. Es ist eine Sache
der Gewöhnung, zu lernen damit umzugehen oder eben das komplette Gegenteil
davon. So lange aushalten, bis mir die Kontrolle über meine Gesichtszüge doch
entgleist. Kontrollverlust verwehrt mir die Möglichkeit diesen Schmerz wie eine
kleine verängstigte Maus in ihr dunkles Loch zurück zu treiben. Kontrollverlust
oder eben ein anders Wort für Schwäche. Meine Schwäche. Sie lässt meine
Augen von alleine zufallen und das letzte Licht der Hoffnung erlöschen lautlos
zwischen den verschwimmenden Schatten hell und dunkel. Ich stehe an einem
Scheidepunkt im Leben. Vor meinen Augen zeigen sich wieder das Eis und hinter
die tiefe schwarze Kluft. Kein Entkommen. Ich habe mich längst entschieden,
ohne dass ich eine Wahl hatte. Er macht einen Rückzieher, raus aus dem blutig
gebohrten Herzen nur um sein Opfer in eine trügerische Gewissheit zu
versetzten. Eine Illusion des scheinbaren wieder leichtern leben, denn der
Schmerz ist fort. Ein schwerer grauer Gesteinsbrocken, der vom überlasteten
Rücken geschleudert wird. Dann schlägt er wieder zu, zerrte an den letzten Rest
Leben. Mit einer Wucht fällt das schwere Gestein wieder auf mich drauf, höre
das zermalmende, knackende Geräusch meiner Knochen ekelhaft schmerzhaft laut in
meinen Ohren. Niemand kann helfen. Niemand ist da, der mich erlösen könnte.
Niemand, der aus dieser Lage befreien kann. Es löst hass in mir aus, unfähig zu
sein, kraftlos aus dieser Schlucht durch alleinige Kraft aufzusteigen. Der
Schlüssel des Lebens Lösung, liegt in ihren Händen. Ihre Worte. Nur ein Wort.
Bitte. Ihre Worte vor langer Zeit, milder Trost, lichte, helle Sonne.
Durchbricht die Stille. Mit einem Wort. Allein ihr Wille schwemmt alle meine
Zweifel fort. Worte. Wie die Flügel eines Engel, die sich schützend um meinen
Körper legen. Behutsam niederschwingend. Nur ein Wort. Bitte. Das
Geräusch des reißenden Schmerzes in meinem inneren bohrt sich unaufhaltsam an
die Oberfläche. Mein Flehen im Rauschen des Windes, er trägt es ungehört fort.
Dämonen. Schwarze Schatten, blutbefleckt, unsichtbar verborgen im Schatten,
sichtbar im grellen Höllenlicht. Sie kommen schleichend und leise, fast lautlos
ihr auftreten, nichts ahnend mein Verstand. Nisten sich in meinem Ohren und
Gedanken ein. Flüsterten mir unaufhörlich zu. Lobten mich wenn schweigend
gehorchte, beschimpften mich wenn ich versuchte auszubrechen aus meinem
seelischen Kerker. Ich kann sehen wie die Kreaturen den kleinen Funken
Lebenswille anschreien. Das Geschrei in wildes Gekreische ausartet. Verstummen
lautlos wenn der gebrochene Lebenswille tot blutend am Boden liegt.

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