Mittwoch, 15. Mai 2013

Der Hauch des Todes

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Der Wald erhebt sich bedrohlich und wirkt angsteinflößend auf den einen oder anderen bei Nacht. Das Mondlicht wirft Licht auf die Bäume, die dicht aneinander stehen und unheimliche Schatten werfen. Kein Laut ist zu hören. Totenstille, fast schon wie ausgestorben. Die Nacht warf einen unheimlichen, mystischen Schleier auf diese verlassene Gegend und man fühlte eine gewisse Spannung oder sogar Angst, ginge man nachts alleine den Waldweg entlang, zwischen all den bedrohlich wirkenden Bäumen. Schwarze Wolken überziehen den Himmel, die klaren Sterne verschwinden hinter der finsteren Wand. Wie ein Schleier ziehen sie langsam über den Nachthimmel, grauen, geflügelten Wesen gleich. Ich kann ihn sehen, deutlich seine schwarzen Konturen in dem getrübten weis der Blütenbracht. Den Schatten. Wie er umher wandert in der samtenen Dunkelheit. Nach seiner Beute sucht. Fast wäre es eine perfekte Frühlingsnacht, wenn auch etwas trüb der Himmel. Wenn Sterbliche schlafen, macht das Wesen seine letzte Todesrunde. Von Dämonen aus der Hölle getragen.  Denn heute Nacht, wird er der Jäger sein und sein Opfer der oder die gejagte. Wie er nach Blut lechzt. Rotem samtfarbenden Blut. Das Lebenselixier, eines jeden Lebewesen. Außer der Schatten selbst. Er ist nur ein Hauch, gefüllt mit Unheil bringenden, bösen Dingen. Ein Mal ins Fleisch gebrannt, offenbart sich sein Wesenszug. Lebt von Trauer, Schmerz und Einsamkeit. Tödlich leise seine Sohlen. Wandelt aufrecht die leere gefluteten Straßen entlang, betrachtet neugierig und zurückhaltend seine Beute. Die Spur der roten Verdammnis zieht er schleppend schwer hinten drein mit sich. Lautlos, doch warnend, kreischend wie eine laut ertönende Sirene. Voller Zerstörend bringender Ereignisse. Ein Schwarzer Nebel umhüllend. Wehend im Gesicht. Kapuze mit schwarzem Dreck verdeckt. Existiert im vermummten der Schwärze. Wo er schleift, wird Leid verbreitet. Kleine, winzig Sandkörner von Wind verbreitet wird in den weiten der trocken, tristen Landschaft des unendlichen, alles vernichtenden Wüste. Von klein bis groß, alles Leben wird bedeutungslos, denn es ist nicht Lebensfähig unter dieser knallharten, nicht weichend wollenden Hitze. Die dichten Lüfte, wispern von seinen gewürzt Süßen blutige Taten, schauderhaft vollbracht.

Seine Augen einst noch gerichtet auf die alles erklimmende Schwarze Wand, mit undefinierbaren Blick streifen die meinen, gefüllt mit Hoffnung und eisigkalter, erstarrender Angst. Ich frage mich, weshalb spiegeln sich die brechenden Strahlen des silbernen Mondes in diesen Augen nicht? Mich durchlöchert, mit diesem leeren Blick. Ich bemerke sobald, die Augen klare leere Hüllen, fast untergehend von der Drohenden schwärze überall. Beinahe würde ich sagen, tote Augen vom Tod getragen, wenn sich mir die Frage nicht in meinen getrübten Verstand stellen würde; kann ein verdammtes Wesen, vom scheinbaren Nichts erschaffen, mit bloßen Worten nicht zu beschreiben – denn selbst die bösesten Worte würden nichts taugen, um dieses Unheil in Worte zu fassen – auch eines Tages sterben? Kann sehen, gierig wie er sich von unseren Gefühlen ernährt. Hass, Habgier, Macht, die Sucht nach dem erlösenden Nichts. All dies, ausgesaugt. Übrig bleibt die Hülle ihrer selbst, während die Seele vom Schatten qualvoll eingezogen wird, getrieben von bissig, hungernden Monstern.
Ich sehe den blassen, grünen Schimmer und den langen, schmalen Schatten, die klauenartigen Hände, die sich gierig lang in meine Richtung strecken. Wahrlich tödlich schwebend kommt er näher. Jegliches Leben weicht aus der Landschaft, wohin er mit seinen toten Augen auch nur sieht. Mich an den Schultern packend. Bohrend der harte, kalte Griff von spitzen Knochen, jegliche Emotionen aus meinem Gesicht gewichen. Es frisst mich auf, dringt in jede Faser meines Körpers, füllte mein Herz mit einer unnatürlichen Kälte und lähmte meine Muskeln. Panik steigt in mir auf, wächst mit rasender Geschwindigkeit. Unfähig, mich zu bewegen, mich zu fragen, was hier in diesem Alptraumhaften Moment geschieht, real vor meinen ängstlich, Tränen getrübten Augen abgespielt. Ich kann den fauligen Geruch nach Tod und Verwesung schon auf der Zunge schmecken, meine Kehle so trocken schmerzhaft, wie trockener Dreck, jahrelang der hitzigen Sonne ausgestreckt, bei jedem Schlucken, versuche den düsteren Geschmack mit hinunter zu schlucken. Die kalte Luft seiner bloßen, grauenerregende Gegenwart auf meinem Körper kann ich spüren, wie sie versuchten, mir mein Leben zu entreißen.  Der faulige Atmen streichelte meinen Nacken und hinterlässt eine dünne Eisschicht auf meiner Haut. Lässt mich frösteln, mich innerlich erfrieren, meinem Herz die letzte wärmenden Emotionen an sich reißen. Bringt mich halb in den Kältetod. Zieht mich weg von Freude, Liebe, jeglichen Gefühlen. Ausgesaugt aus meiner bunten Seele. Mein Herz das nicht aufhörte zu schlagen. Blind alles mit sich in die einnehmende Tiefe reißen. Die Finsternis erdrückte mich, zermalmt meine harten Knochen, krachend, ekelhaft schmerzhaft laut in meinen Ohren, Verstand. Nur ein leises Geräusch und es fühlt sich an, als würde die Welt um mich herum explodieren laut, in heißen, zerstörenden Flammen aufgehen. Alles nieder brennen, vernichten was sich dem gewaltigen Feuer standhaft in den Weg stellt. Versuchen was zu retten ist. Kämpft und Kämpft... und doch verliert auf ewig. Vom innerlichen Feuer mich unterwerfen, welches hat sich schnell und grauenhaft alles tödlich eingenommen.

Ausdruckslos sehe ich in die mich schatteten Augen des Todes. Klammernd, sein Griff unverändert. Fast schon, lache ich hämisch auf, als mir der Satz Im Angesicht des Todes in meine trüben, zugleich ungefüllten Gedanken kommt. Hier stehend und wahrlich: Angesicht zu Angesicht in das hässlich, verwesende Gesicht des schwarzgrauen lebendigen Todes.
Ich vernehme die Stimmen. Die wispernden Stimmen, wie sie mich rufen. Zu ihnnen rufen. Mich leiten, mich bringen, mich zerstören? Höre die wispernden Stimmen in der Dunkelheit. Mich umhüllen, mich fangen... und zerfetzen. Auffressen, verschlingen und verbrennen.

 Die Welt scheint den Atem anzuhalten, die Erde gleicht einem Friedhof.

Kommentare:

  1. Deine lieben Worte waren mir wirklich ein bisschen trost. Und ich danke dir so so doll dafür das du dieses kommentar geschrieben hast <3 Du bist so ein toller mensch und ich liebe deine Texte, ich wünschte ich könnte auch so gut schreiben. An dich auch ganz viel Liebe! <3 und nochmal danke.

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