Freitag, 19. April 2013

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Langsam schlage ich die Haustür hinter mir und nehme den Weg in Richtung Bushaltestelle. Wäre sofort wieder umgedreht. Wenn würde es interessieren, ob ich blau mache? Keiner Daheim.Nicht zum ersten Mal verdamme ich meinen langen Schulweg, denn es gibt nichts Schlimmeres als volle Busse, besonders an warmen Tagen, was mir heute glücklicherweise erspart geblieben ist. Aber genauso hasse ich die dummen Kommentare, die die anderen  immer von sich geben müssen.Viel zu schnell habe ich meinen Ziel erreicht. Kaum das ich den Bus betrete, habe ich das dumpfe Gefühl, dass alle Gespräche sich plötzlich um mich drehen. Als wäre ich interessant oder es ihnen Spaß machen würde, über mich zu lästern. Mich förmlich mit ihren Worten in den Dreck zu ziehen, wo es nur geht. Ich versuche alles gekonnt zu ignorieren, und schalte meine Musik lauter, die versucht die schlechten Gedanken von mir zu treiben. Der einzige freie Platz – wie jeden verdammten Freitag – ist ein Stehplatz neben zwei großen Typen, die sich gerade über irgendetwas scheinbar Lustiges unterhalten. Naja. Drei mal dürft ihr raten. Mich. Yeeii. Bin ich hier irgendwie eine Jahrmarktattraktion, oder warum schenken die mir so viel fucking Aufmerksamkeit? Ich stelle mich möglichst weit von ihnen weg, doch sie bemerken mich – und belassen es leider nicht dabei. Sie drehen sich zu mir um, ich versuche ihnen nicht die Aufmerksamkeit zu geben, die sie wollen, ihnen nicht den Gefallen zu tun. Am liebsten möchte ich kreischend davon rennen. Sollte die Situation in irgendeiner Form eskalieren, bin ich erledigt. Was soll ein gerade mal 163 cm 'großes' Mädchen gegen die Kerle ausrichten? Mal ganz davon abgesehen, dass es schon ein wenig unfaif wäre... zwei gegen eine?! Meine Nerven machen das nicht mehr lange mit. Ich versuche mir einzureden, dass ich mir derren verhalten nur Einbilde. Doch dann stehen sie so nah vor mir, dass ich ihren rauen Atem förmlich auf meiner Haut spüren kann. Nähe. Diese verdammte eklige nähe treibt mich in den Abgrund. Ich muss mein zittern Kontrolieren. Mein Herz springt mir vor Angst beinahe aus dem Brustkorb, so sehr hämmert es dagegen. Ich habe das Gefühl, dass meine Beine jede Sekunde nachgeben könnten. Als ich ihnen mein Gesicht nicht zuwende, treten sie mir schmerzhaft gegen mein Schienenbein, ich versuche ein Stöhnen zu unterdrücken. Mein Herz hämmert immer stärker. Ich muss einen Schrei unterdrücken. Mein Puls rast. Ich fühle mich wie eine kleine graue Maus, umzingelt vom Feind. Die Schüler im Bus interessiert das nicht. Selbst meine "beste Freundin" die einen Sitzplatz bekommen hat, schaut einfach weg. Beste Freunde waren wir noch nie. Diese Freundschaft beruht nur während der Unterrichtszeit. Eine Leidensgenossin. Ja, mehr war sie noch nie. Freunschaft habe ich ewig nicht mehr gespürt. Ich lasse mir den Schmerz und die Angst nicht anmerken. Sollen die mich halt Verprügeln. Ja genau, nehmt doch gleich ein Messer und stecht mich ab. Erspart mir vieles. Meine Maske beginnt zu zerfallen. Sie lachen. Ihr Münder bewegen sich nicht. Ich höre nichts. Green Day versüßen mir die Busfahrt. Buchstäblich. Ich ertrage es nur mit Green Day. Scheiße passiert, aber sie ist bedeutungslos im Moment, denn ich habe meine Musik. Es ist wahnsinnig, doch sie lässt mich standhalten. Hält mich von der Realität fern. Mein Paradies. Ich beiße mir auf die Lippen, als ich gegen das Fenster geschubst werde. Welcome to Paradise. Ich frage mich nicht weshalb. Ich kenne die Typen nicht. Ich bin das Gegenteil von allen. Ich bin anders, verdammt stolz darauf, auch wenn ich manchmal daran zweifle. Doch insgeheim, stehe ich dazu. Sie reißen mir die Kopfhörer weg. Ich weiß nicht was schmerzthafter ist. Das verschwinden von Billies Stimme oder derren hässlichen Stimmen, die wie Fremdkörper in mich eindringen. Nein. Nein. NEIN! Gebt mir meine Musik wieder, ihr verdammten Bastarde! Wut. Hass. Sobald sie ihren Mund aufmacht, regnen spitze Klingen auf mich herab, die sich tief in mich bohren. Meine Wut erlöscht, wie Feuer im Regen. Verdampft und steigt hinauf in die Lüfte. Geschlgen vom Feind. Jedes einzelne Wort schmerzt. Jedes einzelne Wort brennt sich in mein Gedächtnis. Ich spüre noch nicht einmal den Schlag in meine Magengrube. Ich weine nicht. Zumindest nicht in ihrer Gegenwart. Keine einzige Träne. Dazu müssen mir die Arschlöcher schon die Augen einzeln aufspießen, bevor es soweit kommen wird. Fick dich Welt! Fick dich Leben! Fuck 'em all!

Jeglicher versuch, mir einzureden, es trifft mich nicht, die Worte haben keinerlei Bedeutungen für mich, wäre knallhart gelogen. Ich bin sogar so tief gesunken, dass ich jeder dieser Worte glauben schenke. Tag für Tag fühle ich mich immer mehr fehl am Platz. Ich habe mich selbst satt, mein jämerliches ich. Ich fühle mich so schwach, schon allein, wenn ich das hier lese. Kein wunder, will keiner mit mir etwas zu tun haben.



Kommentare:

  1. Du musst da weg. Du musst da irgendwie raus. Aus dem Ort meine ich. Und von den Leuten dort aber auch von dem leeren Haus.
    Ich wünschte ich könnte dir irgendwie helfen...
    Oder wenigstens diesen Mensche mal gründlich eins aufs Maul haun.


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  3. solches verhalten ist echt nicht cool. aber denke daran, irgendwann wirst du aus dem ort raus sein und dich davon befreihen! Glaube mir einfach.. ich habe auch ähnliches erlebt, du bist mit diesen gefühlen nicht alleine :)

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