Mittwoch, 10. April 2013

you can run away with me anytime you want

"Was hälst du davon?" Angesprocherner zuckt mit den Schultern. Sichtlich unwohl auf diese Frage streicht er sich eine hellblonde Strähne aus seinem blassen, jedoch wunderschönes Gesicht. Die Schwarze Kleidung machte es zusätzlich noch fahler und er sieht Müde aus. "Schon gut. Blöde Frage.", nuschle ich und lasse mir die Enttäuschung nicht anmerken. Ich muss stark bleiben!
Mit einem lauten Seufzer lasse ich meinen Kopf gegen die Tischplatte knallen. Autsch. Mein Gegenüber beginnt zu lachen und klopft mir auf die Schulter. So unpassend es auch ist, heitert mich sein lachen auf. Zieht dann aber einen Stuhl heran und lässt sich neben mich nieder und legte einen Arm um mich. Ich zucke zusammen, verkrampfe mich innerlich. Doch dann ist mir klar, dass ich vor ihm nichts zu befürchtetn habe. Er ist zwar gut sieben Jahe älter als ich, jedoch kennen wir uns seit meiner Kindheit an. Enge Freunde, bis er sein Abitur hatte und nur kruz darauf zum Studieren das Land verließ. Ich empfand  damals nicht als schlimm, dass er ohne ein Wort ging, ich war noch fast ein Kind und schließlich wurden wir beide älter und der Altersunterschied machte sich bemerkbar. Dann war er weg. Jetzt – ich mit fast 17 Jahren und er mit 23 – war es aber, als seien wir nie getrennt gewesen. Ich habe nie damit gerechnet, dass wir uns wieder sehen, war aber umso überraschter, als wir uns zufällig in der Statd trafen, mal ganz abgesehen, davon, dass er sich nicht stark verändert hatte, ich hingegen schon. "Meine kleine Rebellin", wie er mich genannt hat, als wir uns begrüß haben und er mich einghend gemustert hat. Eigentlich habe ich ihn nie sonderlich vermisst, weder habe ich in den letzten Jahren an ihn gedacht. Trotzdem ist er jetzt, da ich ihn für kurze Zeit wieder habe, wie ein großer Bruder für mich, den ich mir immerzu wünschte, ihn nicht bekam. Einzelkind halt. Doch, wenn ich jemand zu 1000% vertraue, dann ihm. Niemanden anders. Wir sind uns einfach zu ähnlich in machen Dingen.
Seine sanfte Stimme reisst mich schlagartig aus der Vergangenheit. "Nun ja...", fing er an, zögert.
"Ja?", dringt meine Stimme gedämpft von der Tischplatte hervor. "Abgefuckt. Das wird aber wieder, kleine." Awww er hat mich gerade kleine genannt. Das brachte es wohl dann auf den Punkt. Ich richte mich ruckartig auf und starre ins nichts. Warum ich es ihm erzählt habe, weiß ich selbst nicht so genau. Als wir uns das letzte mal sahen, war ich noch ein Kind und doch unternahm er viel mit mir, wie es eben ein großer Bruder mit seiner Schwester tat. "Ach Marcy...", seufze ich auf und spürte seinen fragenden Blick auf mir. Es war nicht sein richtiger Name, nur eine Abwandlung bzw. Spitzname, da ich seinen richtigen Namen als zu... keine Ahnung... Es passte nicht zu seiner hyperaktiven, nervigen und verpeilten Art. Jedoch hat er eine ruhige und einfühlsame, liebevolle Seite. Ich kenne keinen, der so gut Menschen beobachten und Zusammenhänge erkennen kann, wie er. "Du denkst an damals zurück. An deine und meine Kindheit." Es ist keine Frage. Ich fühle mich ertapp, aus welchen Grund auch immer. "Mmmh... weist du noch, wie sich meine Mutter immer aufgeregt hat, wenn ich wieder zu viel Zeit mit dir verbracht habe?" Ich kichere bei dem Gedanken und lehne mich unbewusst näher an ihn heran. Ich komme mir vor, wie in einem falschen Film, so unreal fühlt es sich, dass er hier bei mir ist. So plötzlich. Mein kichern verstummt, indem Moment als er zu Antwort ansetzt: "Ja, dass weiß ich noch sehr gut. Ich schätze, deine Eltern wissen bis heute noch nicht einmal meinen Namen. Den konnten sie sich noch nie merken, geschweigeden mochten sie mich. Naja... fuck it!" Ich spüre sein belustigtes grinsen an meiner kühlen Stirn. Stirn an Stirn gelehnt sitzen wir da. Es ist ein befremdliches Gefühl, so plötzliche nähe zu spüren und doch lasse sie zu. Es ist schön. "Ich stell dich ihnen vor und zeige ihnen, was für ein wundervoller Mensch du bist" Wenn sie nur einmal Daheim wären. Er fast mich sanft an meiner Schulter, damit ich ihn ansehen konnte und er mich. Diesmal zucke ich unter seiner berührung nicht zusammen. Seine gottverdammten wundeschönen  grauen Augen, glizern auf und er kichert. Es ist das erstemal, seit wir uns wieder gesehen haben. Ich weiß aber nur, dass ich es niemals jetzt wagen würde. Meine Eltern würden eh nur einen Herzinfarkt bekommen und wahrscheinlich wunder was meinen würden, so von wegen man könne nicht nur bloß mit einem Typen befreundet sein. Man kann es sehr wohl! Nicht jede Freundschaft, muss gleich im Bett oder einem Liebesdrama enden. Er würde so oder so bald wieder fahren, da er nur seine Eltern besuchen gekommen ist. Dann bin ich wieder alleine... "Du hast dich verändert.", schreckt er mich wieder aus meinen Gedanken hoch, obwohl es nur ein hauch war. Trotzdem verstehe ich ihn. Du dich aber keine Sekunde. "Das war allein die Musik, mein lieber.", entgegnete ich auf seine feststellung. "Ich schätze, unsere gemeinsame Zeit früher, hat auf dich abgefärbt, obwohl du noch so jung warst. Sonst hättest du jetzt keinen so guten Musikgeschmack.", scherzt er. Von meinen Eltern kann ich den ja wohl kaum geerbt haben. Er steht auf und seine Körperwärme wicht von mir. Ich murre leise auf. Will ihn nicht los lassen. Ich brauche ihn doch. Er lacht nur. tzz. Idiot! Ein liebenswerten Idioten. Marcy streckt mir seine Hand entgegen. Fragend sehe ich ihn an. "Na komm. Ich will deine CD Sammlung durchblündern" Ich grinse nickend, nehme sie begeistert an und er zieht mich hoch. Als mein "großer Bruder" und ich die Treppe zu meinem Zimmer hochgehen, denke ich immer noch, dass es nur ein Traum sein kann. So verdammt unwirklich und doch wahr.

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