Sonntag, 7. April 2013

In Gesellschaft der Toten

Entspannt schlendere ich an den Gräbern vorbei. Welch Ironie, dass ich als lebendndiger erst freiwillig einen Friedhof betreten muss, damit ich zu ruhe kommen kann. Die Angst, die Menschen vor Friedhöfen haben, werde ich nie verstehen. Schliesslich liegen hier nur Tote. Tote können einem schliesslich nichts mehr tun.  Mühsam – es ist stockdunkel – lese ich im Vorbeigehen vereinzelt die Inschriften zu den Verstorbenen, gebe es aber mit der Zeit auf, da ich kaum die Hand vor meinen Augen erkennen kann. Ich fühle mich hier absolut wohl, auf eine seltsame art und weiß. Nennt mich einen Freak aber den verkörpere ich gerne. Ich bin gerne der Freak, der schwarz gekleidet zu Schule geht, anders denkt und mich von der Masse abhebend kleide, denke ich. Ja, ich liebe es. Ich bin gerne das komische Mädchen, mit hang zum perfektionismus, Melancholisch, dunkelheit, mystischen und zugleich grußeligen dingen. Einzig allein was bleibt ist die Wut, der Selbshass auf mich selbst. Um geliebt zu werden, muss man sich selber lieben können und das kann ich nicht. Es scheint unmöglich. Manchmal frage ich mich, wie es wäre zu sterben. Ich frage mich, ob es arg schlimm ist und was danach ist. Jedoch zugegeben, habe ich mich schon früh damit auseinader setzen müssen, weil in meiner Familie einer nach dem anderen abgekratzt ist. Schlussendlich ist es mir scheiß egal, wann und wie ich abkratze. Ein Ast knackt unter meinen Füßen, durchbricht die anhaltene Stilledurchtränkte dunkelheit, als ich auf ihn drauf trete. Es scheint wie eine explosion im endlosen schweigen der Nacht. Vor mir liegt eine alte Friedhofsmauer, dahinter das nichts. Mit einem sprung sitze ich auf der kalten Mauer und setze mich so hin, dass ich den Gräbern und der Kirche – die sich hinauf in die weiten der Dunkelheit, fast schon bedrohent erhebt – den Rücken zuwende. Ich starre nun in das schwarze nichts. Meine Beine baumeln lässig über den Rand der brüchigen Mauer. Ich finde es fazinierend und doch zugleich unheimlich, die Vorstellung, wie viele Menschen hier schon Jahrhunderte vor mir waren, beerdigt und getrauert hier wurde. Angst vor dem Tod? Der Tod ist kein Feind, er ist dein Freund... Aber wenn er mir die Menschen, die ich liebe weg nimmt? Manchmal sehe ich mich vor meinen inneren Auge an einem dunklen Ort sitzen, verzweifelt und tränenüberströmt. Sie reißt an mir und zerrt mich nieder bis ich kapitulieren muss. Mir blind mit der Klinge ins Fleisch schneide. Ich möchte spüren, wie es vorbei geht. Nur so möchte ich von hier fort gehen. Ich hohle meinen iPod heraus, da mir die Stille langsam zuwider wird. Einsamkeit schleicht sich empor, was vielleicht nicht zuletzt an der Wahl meines Lieblingsortes liegt. Einsamkeit macht depressiv. 
Sie zerstört. 

Im Sommer, mitten in der Nacht, ist es hier viel angenehmer, nicht so klirrend kalt. Diese beißende kälte, ist seltsamerweise das einzige, was mir angst macht. Warum? WTF? Kein Plan! Ich grinse hämisch unerwidert in die Dunkelheit hinein. Mein schwarzes Pony schiebt sich dabei vor mein Auge und raubt mir die 'Sicht'. Ich Psycho. 

Wahlos überlasse ich die Songauswahl dem Gerät und klicke auf Zufallswiedergabe. Mein iPod weiß immer besser, was ich hören möchte und bringt mich auf Sleep, einer meiner lieblingssongs, die ich im Schlaf rauf und runter kann. Die Musik übertönt nun die Stille und ich würde es nicht bemerken, würde ein verrückter, sich mir von hinter anschleichen und mir die kehle aufschlitzen, bevor ich nur schreien kann. Aber ich habe keine Angst. Ich meine, ich lebe hier am Arsch der Welt, umgeben von Idioten und intoleranten, spießigen Menschen, welche mich wahrscheinlich schief anschauen würden, wüssten sie, dass ich mich um kurz vor Mitternacht auf einem Friedhof aufhalte. Ich finde die Vorstellung, fast schon lustig, wenn hier nun ein später Spaziergänger vorbei kommt und mich leichenblasses etwas hier sitzen sieht. Das schreit doch nach Irrenanstalt, weil ich mich nicht wie jeder anderer Mensch um diese Uhrzeit in mein Bett zurückziehe, stattdessen auf der kalten Friedhofsmauer sitze und MCR höre. Nun ja, wie gesagt. Normale Menschen... Außerdem... Friedhof. Das steckt das Wort friedlich schon drinne und welcher Massenmörder würde sich sein Opfer schon auf einem Friedhof suchen, es sei den, wir reden von Zombies und "Friedhof der Kuscheltiere". Zu viele Horrorfilme angeschaut. 

 Es ist eigenartig, dass ich die Gegenwart der Toten mehr ertrage, wie die der lebendigen. Es hat etwas friedliches an sich und ich kann nicht verstehen, was die Menschen an einem Ort wie diesem so schlimm finden aber das hatten wir ja schon... Ich fliehte förmlich aus dem Haus. Das ständige bla bla  meiner Mutter hällt keiner, außer mein Dad, länger wie nötig aus. Montag geht sie wieder. Himmel sei dank! Ich habe mich so sehr an die zweisamkeit mit Dad gewöhnt, dass ich diese nie wieder missen möchte. Die nächste Woche macht mir angst. Zu meiner Schande muss ich zugeben, das "ich-lerne-in-den-ferien-täglich-für-die-prüfungen" versprechen an mich selbst, konnte ich nicht einhalten. Konnte ich noch nie. Nun gut. Einzig allein Mathe ist das problem, denn in den anderen Prüfungsfächern sehe ich kein Problem. Im Gegenteil. Mein Lehrer hat mich ja schon zu meiner Schande als Sprachlich begabt abgestempelt und die Noten leisten auch keinen widerspruch, einzig allein die fette 4 in Mathe, wobei diese Note noch geschmeichelt ist. Ich habe es längst aufgegeben. Dann fall ich halt in Mathe durch, solange ich in den restlichen Fächern gut abschneide. Vielleicht packe ich es auch noch, immerhin habe ich festgestellt, dass ich unter druck viel beser lernen kann. Der beste Beweis war meine Literraturarbeit. Monate lang Zeit gehabt, in der letzten Wochen 40 Seiten geschrieben unter Zeitdruck. Das Ergebnis war mehr als nur zufriedenstellent. 

 Ich seufze traurig auf, höre jedoch nur die Musik in meinen Ohren.
Ich habe Angst vor der Zukunft. Angst vor dem was kommen mag. Vor dem, was die Angst aus mir macht. Ich habe Angst vor den Gedanken und vor dem, was ich wegen ihnen mache. Und die Tatsache, dass ich durch diesen tristen, grauen Alltag und all dem anderen scheiß, die Lust am Leben völlig verloren habe. Wurde in dieses Leben gesteckt und darf nicht wieder gehen. Gefangen. Das schlimmste ist jedoch, dass ich alleine hier drin stecke. Es interessiert keinen und das vielleicht auch mit Recht.

1 Kommentar:

  1. weißt du wie gerne ich deine texte lese mhm.
    deine traurigen
    zauberhaften
    texte.
    weil ich mich in so vielem wiederfinde.
    du worte aussprichst
    die ich nicht zusammen bekomme.

    aber weißt du,
    woran es liegt
    dass ich nie einen text von dir
    auf meinem dashboard finde?

    liebe an dich ok.
    bleib stark.
    pass auf dich auf.
    ich weiß nicht wie man das besser sagt.

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