Donnerstag, 28. März 2013

Kindheitserinnerungen

Zaghaft streiche ich über das feine blonde Haar, das an seiner Schönheit verloren hat. Einst so glänzend im strahlenden Sonnenlicht, fingen sie das Licht in der Umgebung ein. Flüssiges Gold. Es begann unter der leichten berrührung meiner Hand, einem sanften Streichen zu zerfallen. Erschrocken ziehe ich sie zurück. Ihre eingedrehten Löckchen haben sich schon vor Jahren begonnen zu lösen, doch der Zahn der Zeit hat gnadenlos weiter an ihr genagt. Deutlich war dies nicht zu übersehen. Ein grauer Schleier hatte sich um den sanften Stoff des Kleides gelegt. Die feinen glitzernden Haarteilchen, legen sich sanft schwebend auf das verblasste rosafarbende, hochgeschlossenen Kleidchen nieder, von einem glänzenden, unsichtbaren Saum umhüllt. Eben dieser graue Schleier, hatte auch die einst so stolz farbenfrohen, glänzenden Farben einbüßen und im lauf der Zeit verblassen lassen, wie früher Morgennebel in der Sonne. Einzig allein, das goldene Diadem, welches ihre Stirn voller Stolz ziert, war verschon vom Schleier der Zeit geblieben. Ich ziehe vorsichtig die Spieluhr auf und die Puppe beginnt sich langsam, zu den Klängen zu drehen. Ihr Kleid wallt schwach in der langsam Drehung. Der Wind trägt den zarten Klang einer traurigen Melodie durch die Nacht. Sie durchtränkt die Dunkelheit mit einem unbestimmten Gefühl von Trauer und Sehnsucht. Ein melancholisches Lächeln tritt auf meine Lippen. Die Melodie ist in meinem Kopf, in meinem Körper. Unsichtbar umschlingt mich ihr Klang, umarmt mich und fesselt mich an die Vergangenheit. Die Nacht ist schwärzer als jede andere, denn es ist die tiefe Nacht, die in meiner Seele herrscht. Ich lasse die letzten Töne verklingen. Nun ist es vorbei. Ich lausche andächtig der Stille. Ich lege die Spieluhr behutsam in die glässerne Vitrine meiner Großmutter zurück. Eines Tages wird sie zu Staub zerfallen und in den unedlichen Lüfte, zwischen den Wolken fliegen lernen.
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