Samstag, 16. März 2013

Vater-Tochter Gespräche

Die Welt zieht desinteressiert an mir vorbei, während mein Vater mich in ein Gespräch zu verwickeln versucht. Normalerweise ist er der Schweigsamere von uns beiden. Ich habe meine eiserne Verschwingenheit eher von ihm als meiner Mutter geerbt. Zum Glück. Um keinen Preis möchte ich ihr ähneln. Niemals! Ich lehne meinen Kopf gegen die Kühle Glasscheibe, lasse die trostlose, scheinbar farblose, graue Landschaft an mir vorbei ziehen, während die Worte meines Vaters auf mich herabbrasseln. So geht das schon, seit wir die Einkäufe hinten im Kofferaum verstaut haben.Vielleicht spürt er meine derzeitige Laune, was mir recht unangenehm wäre und möchte mich nur aufheitern. Er fragt mich wegen meinen Plänen für die Sommerferien. Ich weiß ganz genau, wie ich diese verbringen möchte. Erstmal meinen Ferienjob, sobald ich meine Zusage erhalte. Ich brauche das Geld, für die Flugtickets nächsten Sommer nach Amerika. Ich freue mich schon richtig drauf, meinen 18 Geburtstag in Amerika zu verbringen, statt in fuckig Deutschland. Es war schon immer mein ersehnter Traum, der langsam in erfüllung gehen zu scheint. Doch bis dahin, heißt es erstmal den Sommer 2013 durcharbeiten. Eigentlich dachte ich noch an ein  Konzert z.B. Green Day, doch soweit ich weiß stehen noch keine weiteren Tourdaten für Deutschland an. Kann ja noch kommen. Fest steht jedenfalls schon einmal wieder Rock am See. Ich warte nur noch bis die Bands bekannt sind, bevor ich mein Ticket bestelle. Dad hat gesagt, er lässt mir ein Baden-Württenberg Ticket heraus für den Zug, dann könne ich alleine nach Konstanz fahren und wieder zurück. Vielleicht finde ich auch noch eine billige, bezahlbare Unterkunft für ein bis zwei Tage, damit die Heimfahrt nachdem Konzert nicht so anstrengend wird. Bis dahin bin ich 17, fast erwachsen. Sollte machbar sein. Ich sehe es immer wieder und höre es auch sehr oft, dass ich für mein Alter sehr erwachsen wirke vom Charakter her. Ich weiß nicht an was das liegt. Meine Kindheit war nie eine richtige und hat geendet, bevor sie überhaupt anfangen konnte.
Soweit so gut, mein Plan für die Sommerferien steht. 
Es ist immer noch falsch an die Zukunft zu denken. Ich sehe für mich keine Zukunft. Ich bin nicht gut genug, um irgendetwas zu erreichen. Bevor ich weiter darüber Nachdenken kann, wie ich darauf komme, unterbricht mein Vater meine Gedankengänge.
"Was hast du heute noch vor? Irgendwelche Pläne mit Freunden?" 
Treffer versenkt. Jetzt geht es mir noch beschisserner. Er kann es ja nicht wissen.
"Nein. Nicht dass ich wüsste.", entgegnete ich beinahe kalt beim Gedanken daran.
"Ich bin den ganzen Abend zuhause, ich kann dich fahren." Er lässt nicht nach. Ich schließe beinahe genervt die Augen. Ich liebe meinen Vater, wie keine andere Person auf Erden. Er hat die angewohnheit mir viel Freiraum zu lassen und mir nicht auf die nerven zu gehen, wie manch andere Väter. Deshalb überkommt mich auch immer wieder ein schlechtes Gewissen, im Bezug auf das was ich mir antue. Ich atme tief durch und beschließe ausnahmsweise nicht zu lügen.
"Ich weiß nicht mit wem ich etwas unternehmen kann. Da.. da ist irgendwie niemand."
Ich spüre wie er einen überraschenden Seitenblick zu mir wirft. Dann nickt er langsam. Konzentriert sich wieder auf die Fahrbahn, die vor ihm liegt. Ich hasse es das Sorgenkind zu sein. Ich fühle mich dabei immer so wahnsinnig unwohl und schleht, weshalb ich vor meiner Familie seit Monaten verheimliche wie es mir wirklich geht. Ich lasse die Luft aus meinen Lungen, die ich so lange angehalten habe, als ich merke, dass erstmal keine weiteren Fragen kommen werden. Dachte ich.
"Du bist jetzt ganz alleine?"
"Scheint so..", entgegne ich schwach. Meine Augen beginnen gefährlich zu brennen.
"Du bist eine wundervolle Tochter. Ein bewunderntswerter Mensch. Die wissen nicht was ihnen entgeht."

Ich sage nichts darauf. Mein Vater lügt mich nie an, allerdings finde ich dies drei Sätze etwas zu weit hergehollt. Er kennt nur eine Seite von mir. Genauso wie meine angeblichen Freunde in der Schule. Jahrelange Freundschaft, dennoch schenke ich ihnen kein Vertrauen. Sie kennen mich nur lachend, nicht weinend oder verzweifelt, am ende. Dennoch wagen sie es mich als ihre Freundin zu bezeichnen, denken sie kennen mich, dabei bin ich ihnen so fremd, wüssten sie wer ich wirklich bin.

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"Du lügst. Würde ihnen etwas an mir liegen, hätten sie sich gemeldet, wenn sie genau wissen, dass es mir schlecht geht. Ich bin trotzdem alleine." flüstere ich beinahe lautlos und wende meinen traurigen Blick wieder an die vorbeiziehende Landschaft nach draußen in die grausame, eiskalte Welt, welche mich zu hassen gelehrt hat.

Kommentare:

  1. Hey... Du weißt doch, dass du dich immer bei mir melden kannst wenn was ist oO :/

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    1. Mmh.. ich denk schon.
      Tut mir leid :(
      Danke♥

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    2. Du musst dich nicht entschuldigen :) Bitte <3

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