Sonntag, 17. März 2013

night time

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Ich stehe langsam auf und wandere ziellos durchs Haus. Ich achte nicht sonderlich darauf, wohin ich trete und so ist das gelegentliche Quietschen der Holzdielen das Einzige, das die bedrückende Stille durchbricht. Leise streichen meine bloßen Sohlen über die kalten Holzdielen des Flurs. Fahrig wische ich mir die dummen, unnützen Tränen vom Gesicht, versuche, so leise wie möglich die Nase hochzuziehen, als ich mich durchs stille Haus schlich, doch ich hätte mir keine Mühe machen müssen. Niemand bemerkte mich. Mit Niemand meine ich wohl meinen Vater. Wer hätte mich auch sonst bemerken können? Eigentlich bekam man in diesem Haus alles mit. 
Jeden Schritt, jedes krächzen der Holz dielen, hörte man mindestens noch im Nebenzimmer. Aus diesen Gründen war es eine Kunst und reine Nervensache sich nachts, wohlbemerkt leise, als sogleich unbemerkt aus dem Haus zu schleichen. Ich hatte schon so manche Strapazen auf den Holztreppen erlebt, bei welchen es unmöglich war einer der quietschenden Treppen zu verfehlen, die heimtückisch nur auf einen falschen Schritt meinerseits wartenden. Seit meine Mutter weg ist, einfach nicht mehr da ist, verschwunden, whatever, ist es hier Nachts regelrecht zum Paradies geworden. 
Meinen Vater interessiert es nicht. Ich bin ihm dankbar, dass er mir hilft den Traum mit Amerika nächstes Jahr zu verwirklichen. Ohne ihn, könnte es es nie schaffen. Nur das laute Schnarchen seinerseits tönt laut durch seine Schlafzimmertür in meine Richtung. Wenn er schläft, könnte man das Halbe Haus auseinader bauen, er würde weiter schlafen. Fast ist es, als ob mich dieses vertraute Geräusch wieder in die Realität zurück verbringen mag. Ich weiß nicht, was ich hier tue. Meine Gedanken sind so vernebelt, verschwommen, wie die Sicht vor meinen Augen, die von einem Tränenschleier getrübt wird. Ich weiß nicht, weshalb ich den plötzlichen Drang habe ziellos durch das Haus zu geistern. Ich stehe nur am Treppenanfang im Oberenstockwerk, blicke staar hinuter auf den Flur, der sich dort in voller Bracht der Dunkelheit erstreckt. Ich stehe komplett im Dunkeln. So bleibe ich bewegungslos Minuten lang stehen. Auf das Grelle Licht, wollte ich verzichten. Ich mache einen Schritt nach vorne. Lautlos, ja beinahe schwebend, als sei ich ein Gespenst, gehe ich die Treppen hinab. 
Fast schon gegen meinen Willen. Ich verstehe nicht, was es für einen Sinn macht, jedoch zwingt mich etwas in mir die obere Etage zu verlassen. Ich bin nicht mehr her über meiner Sinne, bemerke es nicht einmal. Ich gehe die letzte Treppe hinab. Meine nackten Füße berühren nun die eiskalten Fließen. Gänsehaut überkommt meinen schwachen Körper. Ich könnte Schlaf gebrauchen, nachdem heftigen Zusammenbruch vor wenigen Stunden. Dem Alptraum am Morgen und die Schlaflosen Nächte der bald vergangenen Woche. Den Schlaf werde ich nicht bekommen. Er wird mir nicht vergönnt, so kommt es mir vor. Ich laufe weiter richtung Küche. Meine Gedanken in Watte gehült, unfähig dem Netz zu entkommen. Unfähig der Gefangenschaft entfliehen. Während ich planlos in die Küche schlurfe, noch immer in völliger Dunkelheit verpackt, kommt mir alles Falsch vor. Das Gefühl kommt einfach, will nicht mehr von mir gehen. Es klebt regelrecht an mir. Ich bleibe am Türrahmen der kleinen Küche stehen. Gleich nebenan grenzt das Esszimmer. Mir kommt in den Sinn, das wir uns früher, als wir noch eine Familie waren, oft dort aufgehalten haben, nicht nur während den Mahlzeiten. Wir spielten oft Brettspiele lachten und waren einer dieser typischen glücklichen, durchschnitt Familien. Beim Gedanken heute daran, löst es in mir einen wahrhaftigen Brechreiz aus. Ein Schmerzt durchfährt mich, packt mich mit seinen eisigen Griff. Ohrfeigt mich. Ich lasse die vielen, unzähiligen Erinnerungen los, bevor der eiserne Griff mich zerquetschen zu droht. Ich spüre, wie er sich aus mir zurück zieht, nachdem er sich in wenigen Sekunden in mich hinein gefressen hat. Nur das bloße grünliche Licht, der Ziffern einer Digitaluhr am Herd lässt den Raum hell aufleuchten. Die Uhrzeit brennt sich in meinen Gedächnis fest und ich widme meine Aufmerksamkeit Minutenlang faziniert dieser, beobachte wie Minute um Minute vergeht, ohne dass ich den Sinn hinter dieser Tätigkeit wissen vermag. Tick Tack Tick Tack. 
 Die Zeit schreitet ohne mich um einverständnis zu bitten voran. Ich stehe buchstäblich daneben, sehe wie sie mich ins verdorben trägt. Die Stille hohlt mich erneut ein. Nichts. Kein Geräusch. Ohrenbetäubende Stille. Es treibt mich in den schieren Rande des wahnsinns. Hatte ich den nicht lange zuvor erreicht? Da spüre ich sie wieder. Meine treue Begleiterin der letzten Monate. Ich kann förmlich spüren, wie die Einsamkeit sich langsam um die Ecke schaut, sich an mich heranbirscht, mich in ihr Visier nimmt und mit voller Geschwindigkeit durch mich fährt, mich lautlos aufkreischen lässt, als sie Besitz von mir ergreift. Qualvoll lässt sie mich erbeben, zusammen sacken und verzweifeln. Ich gehe auf die Knie, schlage die Hände über den Kopf zusammen, reiße an meinen Haaren und beginne mich zu Fragen, wann es endlich enden wird. Sie gibt mir das Gefühl der letzte existerende Mensch, das letzte Lebewesen in den weiten des Universums zu sein. Warum? Hat sie mich nicht genug bestraft? Allein durch ihre pure Anwesendheit? Ich kann das Seil nicht zu fassen bekommen. Das Seil, welches mich nach oben zieht, raus aus der Dunkelheit, fort von der Einsamkeit. Ich kann das Seil nicht zu fassen bekommen, weil es scheinbarr zu weit entfernt von mir ist, dabei taummelt es vor meiner Nase. Nur ich bin unfähig, wie gelähmt es alleine zu fassen, mir niemand dieses reichen will... kann. Stattdessen bewegt sich dieses immer weiter fort. Verschwindet mit jeder Minute mehr vor meinen Augen. Bis es sich zu vollen Stunde, nähmlich dann, wenn die Zeit abgelaufen ist, völlig in Luft aufgelöst ist. Nähmlich dann, wenn alles zu Ende scheint. Ich will mich befreien aber ich schaffe es nicht. Meine leere Augen wandern zu dem großen, scharfen Messer, welches einsam auf der Spüle liegt, bleiben dort verhaften. Ich scheine nicht bei Sinnen zu sein. Das Netzt um meine Gedanken, der möglicjkeit klar denken zu können, verknotet sich. Meine nahestehenden Rettung. Bittersüßer schmerz. Bittersüßer Tod. Rotes Blut. Ich fühlte mich dem Ende noch nie so nah, wie in dieser stille durchtränkten Nacht.


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Kommentare:

  1. Der Text hat es wahrhaftig geschaft mir sprachlos zu machen. Das mag jetzt seltsam klingen, doch mir standen Tränen am Ende in den Augen. So viel verzweiflung...

    Nein! Lass die Finger davon, bitte! :( Tu dir nichts an. Wenn nicht deinetwegen, eben meinetwegen, weil ich dich unfassbar lieb habe. Bitte. Versth das doch endlich, dass es noch Menschen gibt, die dich brauchen. Ich mach mir sorgen, kleine..

    Könnte ich dich doch nur tröstend in den Arm nehmen und dir mehr als nur meine Worte geben :/ <3

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  2. tu das nicht, bitte.
    es gibt Menschen denen in ihrem Leben etwas fehlen würde, wenn du nicht mehr hier wärst..

    irgendwann wird alles wieder gut..
    ♥♥

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