Mittwoch, 27. März 2013

Es ist dunkel. Draußen weht ein stürmischer Wind, rüttelt an den Fensterläden, treibt Müll über die Straßen und schleuderte das Laub umher. Es tanzt für wenige Augenblicke in der Luft, bis es wieder hinab sinkt. Der Wind pfeift durch die ritzen, umschmeichelt wild das große Haus. Singt sein letztes Todeslied. Ein Ast kratzte immer wieder über die Fensterscheibe und verursachte ein quietschendes Geräusch. Irgendwo schreit eine Eule und im Garten leuchten die gelben Augen einer Katze auf, die sich kurz darauf in ein nahestehende Gebüsch stürzt. Mein schwarzer Wuschelkopf streckte sich aus dem Kissenberg. Kurz bewege ich mich unruhig, drehe mein Gesicht zu Wand und schlafe friedlich weiter. 

Ein Schatten wandert unhaltsam durch das einsam, in schwärze getränkte Haus.
Er birgt Unheil in sich. Huscht von Tür zu Tür, bedacht seine Schritte lautlos klingen zu lassen.
Er bleibt stehen vor einer Tür. Ein böses lächeln zieht seine Mundwinkel nach oben, als er sanft die Türklinke hinunter drückt, lautlos, ungebeten Eintritt. Die Einsame Gestalt, die schlummernt im Bett liegt. 

Rot ist die Farbe, die sich unaufhörlich in meine Netzhaut brennt. Erst nur verschwommen, undefinierbar in Gestalt, doch nach und nach formten sich die Konturen und offenbarten mir das grell Leuchtende Standby Lichtes meines Fernsehr. Das einzig anhaltende, was die Schwärze im Raum durchbricht. Ein Geräusch hat meine nächtliche Ruhe gestört. Mit einem Ruck richte ich mich zu tode erschrocken auf. Ob dieses Geräusch von draußen, auf der Straße kam oder aus meinem Zimmer, weiß ich nicht. Mein Unterbewusstein versuchte mich zu warnen, weshalb ich nun hell wach bin. Meine Sinne scharf, als ausgleich meines fehlenden Augenlichts. Bin ich nicht allein in diesem Zimmer, in diesem mir normalerweise vertrautem Zimmer? War da noch jemand? Mir ist, als höre ich leise näher kommende Schritte, ein kaum wahrnehmendes krächzen der Bodendielen. Mein blinder Blick wandert wachsam umher durch die unreale Dunkelheit. Ich wage es nicht mich zu bewegen. Bin erstarrt. Traue mich nicht zu Atmen. Angst ein veräterisches Geräusch von mir zu geben. Atme flach. Luft fließt in meine Lungen. Sauerstoffreiches Blut schießt durch meine Venen. Durchquert mein schwer hämmerndes Herz, das mir sobald vor lauter Angst aus dem Brustkorb zu springen scheint. Ich spürte die Angst in meinen Knochen. Durchfrisst mich. Mein Hände sind schweißnass und meinen Körper kann ich vor Angst kaum bewegen.
Die Blindheit macht mich verrückt, ängstigt mich. Schritte. Schwere Schritte. Ist da jemand?
Aber zu spät. Im nächsten Moment ist mein Ende nah.
Eiskalte Finger legen sich um meinen Hals und drücken zu. Immer fester, schlingen sie sich um meinen Hals. Pure Angst! Umpackt mich, umschlang mein Herz und hindert mich, richtig atmen zu können.

Ich will mich wehren, mich befreien, schreien aber kein Ton kommt über meine blutig gebissenen Lippen. Ich spüre den abartigen Geschmack von Blut in meinen Mund, auf meiner Zunge. Ich schlucke hart. Mein Körper bewegt sich nur schwach. Meine vor Panik geweiteten Augen blicken in die meines Gegenübers. Sein Gesicht liegt in Dunkelheit. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es jeh sehen möchte. Es jeh sehen kann. Einzig allein das irre Funken in seinen Augen, leuchtet auf, hat von ihm Besitz ergriffen.
Luft entweicht meine Lungen. Ich versuche krampfhaft zu atmen. Ich brauche Luft. Brauche die Luft so sehr. Ich ringe nach ihr. Doch die Hände an meiner Kehle nehmen mir jede Möglichkeit dazu. Schlage um mich. Fasse nachdem, was ich zu fassen bekomme. Greife ins nichts. Kratze, trete, wende mich unter der schweren Gestalt. Wild. Voller Entschlossenheit. Adrenalin schießt durch meinen Körper. Neue Kraft. Muss mich befreien! Muss es schaffen! Muss überleben! Ich muss einfach. Ich darf nicht aufgeben. Nicht aufgeben... Sein Gewicht drückt mich nieder. Die Erschöpfung nimmt zu. Nein! Ich darf nicht... muss weiter kämpfen. Nein. Nein. Nein. Muss weiter kämpfen... Nein.
Meine Bewegungen werde schwächer, erlahmen schließlich. Ich gebe auf. Das Licht in meinen Augen erlischt. Mein Herz schlägt ein letztes mal hart auf. Bevor es zum Stillstand kommt. Einfach so.

Starr liege ich im Bett, meine blicklosen, weit geöffneten Augen auf die Decke gerichtet, während mein Körper langsam erkaltet. Jegliche wärme von meinem toten Ich entweicht.

Ein Schatten verlässt das Haus, eine Katze huscht über die Straße, kein Blatt regt sich.
Niemand ist da.
Totenstille.
Ruhe ist eingekehrt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen